Schlagwort-Archive: Frankreich

Was ist Rutabaga?

Rutabaga heißt in Frankreich das, was wir im deutschen Sprachraum als Runkelrübe oder Bodenkohlrabi bezeichnen. In Westfalen nennt man dieses Ding scherzhaft auch „Lippische Ananas“

Auf meine Frage, was man daraus machen könne, hat mir vor vielen Jahren die Inhaberin eines kleinen Dorfladens im Elsass sogleich ein Rezept verraten, das ich hier aufschreibe.

Die Zutaten
Zutaten (für 4 Personen)
  • 1kg Bodenkohlrabi
  • 2 Möhren
  • etwas Sellerieknolle
  • 2 große festkochende Kartoffeln (z.B. Agria)
  • 250g grüner Speck (roh gesalzen)
  • Suppengarnitur (besteckte Zwiebel, Knoblauch, Möhre, Sellerie, Lorbeerblatt)
  • glattblättrige Petersilie (Prezzemolo)
  • Salz, Pfeffer
Zubereitung

Den Speck mit Wasser knapp bedeckt und der Suppengarnitur in etwa 2 Stunden garköcheln. Kein Salz hinzufügen, der Speck enthält bereits genug Salz.  Danach die Garnitur entsorgen.

Die gewürfelten Wurzelgemüse in die Speck-Kochbrühe geben und in etwa einer halben Stunde garkochen. Inzwischen den gekochten Speck in passende Würfel schneiden und ebenfalls am Ende hinzugeben, zuletzt die gehackte Petersilie. Mit Pfeffer abschmecken, notfalls auch mit (wenig) Salz.

In Suppentellern anrichten, dazu einen Roséwein servieren. Hier ist es ein Buzet:

Serviervorschlag

Ferien im Naturpark Brenne

landschaft
(Zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Nach vielen Jahren Strandurlaub am Meer haben wir uns für Ferien im Landesinneren entschieden. Dies sollte sich als eine sehr gute Idee herausstellen. Der Weg führte uns in die Gegend der Loire – welche für ihre Schlösser weltbekannt ist. Ziemlich in der Mitte Frankreichs befindet sich das Naturschutzgebiet der Brenne, mit seinen Tausend Seen.

Die Anlage

Im Süden dieses Naturschutzgebiets, beim Dorf Luzeret mit etwa 150 Einwohnern, befindet sich La Petite Brenne, ein naturistischer Campingplatz mit einer Fläche von 42 Hektaren. Nun darf man sich aber nicht eine mit unzähligen Zelten bestückte riesige Fläche vorstellen. Nein, vielmehr ist es eine natürliche Landschaft, bestehend aus Wäldern, Wiesen und steppenartigen Flächen. In einem Wald gibt es einen Bach, und unweit davon, in der Lichtung „La Grande Métairie“ ein kleiner See von 1 Hektar Größe, mit einem Floß darauf. Hier ist ein Luftbild, vom Norden aus gesehen:

la-petite-brenne-1
(Zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Den einzigen Hinweis auf Camping liefern die überall verstreut installierten Poller mit Steckdosen, sowie da und dort ein Zelt oder ein Wohnwagen. Ebenfalls im Gelände verstreut liegen die gemeinsamen Waschhäuser sowie alternative Unterkünfte zu den Zelten und Wohnwagen: Mobilheime und Chalets.

plan
(Zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Es werden gemäß Auskunft des Eigentümers maximal 150 Familien aufgenommen, um die gemeinsam genutzte Infrastruktur nicht zu stark zu belasten. Zur gemeinsam genutzten Infrastruktur gehören das Gemeinschaftshaus, Restaurant, Sauna, Bibliothek, Schwimmbecken und unzählige weitere Freiland-Einrichtungen wie Spielplätze, ein Labyrinth, sowie Vieles mehr.

Die Anlage wurde im Jahre 1995 errichtet und 1996 eröffnet. Die Eigentümerfamilie, Anja und Carel Burgmans mit Tochter Charlotte feierte dieses Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum.

Unterkunft

Wir haben uns für eine feste Unterkunft, also ein Haus entschieden. Seit 2015 gibt es die „Villa Brenne“, ein zweistöckiges Gebäude am Rande des Campingareals „La Loge“ ganz im Osten der Anlage.

villa_brenne
(Zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Im Haus befinden sich zwei Wohnungen, pro Etage eine. Jede der Wohnungen umfasst 120m². Die untere Wohnung bietet mehr Platz in Wohnzimmer und Küche, die obere hat dafür ein Schlafzimmer mehr. Das obenstehende Bild ist im September 2016 aufgenommen worden – nach einer ungewöhnlichlangen Trockenperiode, weshalb das Gras am Boden ziemlich braun und trocken ist.

Das Design der Wohnungen ist inspiriert vom niederländischen Künstler Piet Mondrian – die Gestaltung der Küche und der hinterleuchteten Wandbilder erinnert an dessen kubistische Phase:

huiskamer beneden
(Zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Das kubistische Motiv findet sich an vielen Orten wieder – z.B. die Beleuchtung der Bibliothek im Gemeinschaftshaus ist ganz in diesem Stil gehalten.

Wir haben uns auch weitere Chalets angeschaut – sie sind alle sehr schön gelegen, haben aber nicht denselben Standard wie die Villa Brenne, was sich natürlich im günstigeren Mietpreis widerspiegelt.

Die gesamte Anlage ist liebevoll im Detail gestaltet, was man an den unzähligen Mosaiken am Pool, am Eingang, in der Sauna und selbst neben dem Naturteich sehen kann. Allein die gemauerte Einfriedung der Villa Brenne ist ein Foto wert:

einfriedung
(Zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Erwähnenswert sind die ausgeschilderten Spazierwege auf dem Gelände. Der längste (Rund-)Weg erfordert eine Stunde, wofür außer der Nacktheit ein gutes Schuhwerk empfehlenswert ist, da der Weg auch durch den Eichenwald mit etwas unwegsamem Gelände führt. Sozusagen „Nacktwandern für Anfänger“…

Wir haben zwar einige Stunden in der Sonne auf dem Floß auf dem Naturteich verbracht. Trotzdem möchte man auch etwas von der Gegend sehen, weshalb wir kleine Abstecher in die Umgebung gemacht haben.

Umgebung

Unweit von Luzeret gibt es ein Städtchen namens Argenton-sur-Creuse. Zusammen mit dem angebauten Ortsteil St-Marcel bildet es ein wirtschaftliches Zentrum, das für die täglichen Einkäufe nützlich ist.

Inmitten des Naturparks Brenne befindet sich das Städtchen Le Blanc, das ziemlich sehenswert ist. Direkt neben Le Blanc, in Saint-Michel-en-Brenne gibt es ein Naturreservat mit unzähligen Vögeln und einheimischen Schildkröten.

In Fontgombault, ebenfalls in dieser Gegend, gibt es eine Abtei aus dem 10. Jahrhundert, die noch heute von Mönchen bewohnt ist. Täglich um 10:00 Uhr wird eine Messe mit gregorianischen Gesängen gegeben.

Dies sind nur zwei Beispiele für Aktivitäten, die nicht nur strahlenden Sonnenschein erfordern. Bei der Ankunft werden dem Gast ein paar nützliche Unterlagen abgegeben, so z.B. die Broschüre „Parc naturel régional de la Brenne“.

Wir werden ganz sicher wiederkommen, und uns einmal mehr über die herzliche Gastlichkeit der Eigentümerfamilie freuen.

Webseite: La Petite Brenne

Elsässer Fleischtarte (Tourte de la vallée)

Bild

Zutaten:

  • 1 Schalotte
  • 2 Zehen Knoblauch
  • etwas Butter
  • 300g Hackfleisch (Rind oder gemischt)
  • eingeweichtes, ausgedrücktes Weißbrot
  • 1 Ei
  • 1 Handvoll Petersilie, fein geschnitten
  • schwarzer Pfeffer
  • Salz
  • 1 Prise Lebkuchengewürz
  • 280g Butter-Blätterteig

Zubereitung

Schalotte und Knoblauch kleinschneiden, in der Butter anrösten. Zum Fleisch geben, mit dem Brot, dem Eiweiß, der Petersilie zu einem festen Teig vermischen. Mit den Gewürzen abschmecken. Eine passende beschichtete Form mit Blätterteig auskleiden, den Fleischteig hineingeben, mit Blätterteig bedecken. Die Ränder rundum gut verschließen (bördeln), mit der Gabel Verzierungen eindrücken. Mit dem restlichen (zuvor übergestandenen) Teig Verzierungen anbringen, z.B. Ringe über den ausgeschnitten Löchern. Mit dem übriggebliebenen Eigelb gut einstreichen. Bei 200°C (Konvektion) gut anbacken, dann bei 160°C fertigbacken. Insgesamt 1 Stunde.

Serviervorschlag: Mit geraffelter Möhre anrichten. Dazu passt ein Elsässer Weißwein, z.B. Pinot blanc oder Pinot gris.

Bild

Hackbraten auf französische Art

Bild

Zutaten

  • 400g Hackfleisch vom Rind
  • 2-3 Scheiben Weißbrot
  • 1 Zwiebel
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 1 EL Butter
  • 1 Bund glattblättrige Petersilie (Prezzemolo)
  • 180g frische Champignons
  • 1 große Karotte / Möhre
  • 2 Eier
  • Salz, Pfeffer, Thymian, Sardellenpaste
  • Butter für Zubereitung
  • Roséwein (z.B. Buzet)

Herstellung

Zwiebeln & Knoblauch schälen, kleinschneiden, in Butter anrösten. Petersilie von Stielen befreien, mit den geviertelten Champignons durch den Wolf drehen (grobe Scheibe). Zu den Zwiebeln hinzugeben, anschwitzen. Das Ergebnis nennt man auch Duxelles. Die Möhre ebenfalls durch die grobe Scheibe drehen.

Brot einweichen, ausdrücken. Das Brot, Fleisch, die Duxelles, Eier und Möhrenstückchen gründlich zusammenmischen. Mit Salz, Pfeffer, Thymian und 5cm Sardellenpaste (aus der Tube) würzen.

Eine Pyrexform ausbuttern, Masse hineingeben, mit Butterflöckchen versehen, in den Ofen geben (200°C Konvektion). Sobald der Hackbraten richtig brät, mit dem Wein ablöschen. Hin und wieder kontrollieren, ob noch etwas Wein nötig ist. Gesamtbackzeit etwa 60 – 70 Minuten.

Serviervorschlag

Mit Kartoffelpüree und gebratenen Zucchettistreifen (mit Salz, Pfeffer und etwas Thymian gewürzt) anrichten. Den Roséwein aus dem Buzet dazu servieren.

Bild

Lauchgratin

In Abwandlung zum Zucchini-Ziegenkäse-Auflauf hier ein Rezept, das etwas leichter herzustellen ist. Dank des trockeneren Lauchs anstelle der Zucchini wird der Boden des Teigs weniger feucht.

BildZutaten (für 4 Personen)

  • 280g Blätterteig
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 1 kleine Zwiebel
  • 80g Ziegenkäse (mittelhart)
  • 120g sonstiger Käse – was gerade da ist
  • 1-2 EL Bratbutter
  • 2dl Milch
  • 2 Eier
  • etwas Milch
  • 1 große Stange Lauch
  • Salz, Pfeffer, Muskatnuss

Herstellung

Passende Auflaufform mit dem Blätterteig auskleiden. Im vorliegenden Gericht (siehe Foto) habe ich 2 Formen zu 15x20cm verwendet. Zwiebel & Knoblauch fein schneiden, in Bratbutter anrösten, feingeschnittenen Lauch während 10 Minuten darin gardünsten. Käse grob raffeln (Röstiraffel). Den Käse mit der Milch, den Eiern und der Milch zu einem Guss verarbeiten, mit Salz, Pfeffer, Muskat abschmecken.

Lauch mit den Zwiebeln und dem Knoblauch in die mit Teig ausgekleidete Form geben. Käse mit Guss darübergießen. Zuerst bei 200°C Konvektion anbacken, später auf 160°C reduzieren. Backzeit etwa 35 Minuten.

Serviervorschlag

Mit gemischtem Salat servieren, dazu passt z.B. ein weißer Chardonnay.

Lachsrückensteak auf dem Lauchbett

Zutaten (für 2 Personen)

  • 1 kleine Zwiebel
  • 1 Zehe Knoblauch
  • Olivenöl
  • 1 Stange Lauch
  • 2 Lachsrückensteaks à ca. 200g
  • 100ml Weißwein (möglichst gehaltvoll, z.B. ein Costières de Nîmes)
  • 1 EL Butter
  • 1 EL Mehl
  • 2 EL Rahm
  • Salz
  • Pfeffer aus der Mühle
  • festkochende Kartoffeln (Charlotte)
  • glatte Petersilie (prezzemolo)

Zubereitung

Zwiebel und Knoblauch in feine Scheiben schneiden, im Olivenöl andünsten. Lauch in 1-2 mm breite Ringe schneiden, hinzugeben. Mit dem Weißwein ablöschen, die gesalzenen / gepfefferten Lachsfilets darauflegen. In der Halbzeit den Fisch rausnehmen, eine beurre manié herstellen und damit die Flüssigkeit etwas binden. 2 EL Rahm unterrühren. Den Fisch (umgedreht) wieder aufs Lauchbett legen. Dies ist ein Trick, damit der Fisch im gegarten Zustand nicht unnötig zerfällt.

Nach der Garzeit (ca. 15′-20′) den Fisch auf den Tellern anrichten, zusammen mit Salzkartoffelwürfeln mit viel Petersilie garniert.

Hinweise: Ohne die beurre manié darf kein Rahm hinzugefügt werden. Durch die Säure des Weins würde er sofort gerinnen. Das gesamte Gericht gewinnt in seiner Einfachheit durch die exqusiten Zutaten. Deshalb sollte man nur erstklassige, frische Zutaten verwenden.

Linsenrezept aus der Auvergne

Bild

Zutaten (für 2 Personen)

  • 125g lentilles vertes (2 Std vorher einweichen)
  • 1 kl. Schalotte
  • 1 Zehe Knoblauch
  • etwas Olivenöl extra vierge
  • ½ Möhre
  • gleiche Menge Sellerieknolle (oder Petersilienwurzel)
  • etwas Weißwein
  • ½ Bouillonwürfel
  • etwas glattblättrige Petersilie (prezzemolo)
  • 1 EL Mehl
  • etwas Butter
  • etwas Weißwein- oder Sherry-Essig
  • Salz, Pfeffer

Das Rezept auf der Linsenverpackung spricht von 80g pro Person – bei uns reichen 125g für 2 Personen.

Bild

Herstellung

Mise-en-place: Schalotte und Knoblauch fein würfeln, Möhre und Sellerie zur Brunoise schneiden. Linsen abtropfen lassen. Aus dem Mehl und der Butter eine beurre manié herstellen.

Zubereitung: Schalotte und Knoblauch kleingeschnitten in Olivenöl anschwitzen. Linsen und Brunoise hinzugeben , ebenfalls leicht anschwitzen, mit Wasser und Weißwein ablöschen, den ½ Bouillonwürfel hinzugeben. Die Flüssigkeit sollte die Linsen immer knapp bedecken. Kurz vor Ende der Kochzeit (nach etwa 45 Minuten) mit der beurre manié binden. Mit Essig, Salz und Pfeffer abschmecken, und die zuvor feingeschnittene Petersilie unterrühren.

Gesamtgarzeit je nach Linsensorte (eingeweicht) etwa 50 Minuten.

Bild

Serviervorschlag

Traditionellerweise wird das Gericht mit einer gebratenen Schweinsbratwurst serviert. Ein Schweinskotelett geht ebensogut. Dazu passt klassischerweise ein roter Saint-Pourçain aus der Region Vichy (dép. Allier). Wer es etwas gehaltvoller mag: Côtes-du-Rhône Villages oder ein Vacqueyras.

Elsässer Speck-Gugelhopf

Bild

Zutaten

  • 220cc Wasser
  • 8g frische Hefe
  • 1 TL Zucker
  • 500g Weissmehl
  • 100g Butter
  • 1 Ei
  • ½ TL Salz
  • ½ TL schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen
  • 150g feingeschnittener, magerer Speck
  • ein paar Zweiglein Thymian
  • ein paar Blätter Salbei
  • 200g Walnüsse (ohne Schale gewogen)
  • weitere 30g Butter

Zubereitung

Hefeteig aus Wasser, Hefe, Zucker, Mehl und Butter (ev. 1 Ei) herstellen.

Die Walnüsse schälen, ca. 20 schöne Hälften beiseite legen, die übrigen in einem Gefrierbeutel zerdrücken. Die Kräuter bei 80°C trocknen, durch ein Sieb reiben.

Salz, Kräuter, Pfeffer, zerdrückte Walnüsse und den feingeschnittenen Speck in den Teig kneten. Den Teig für ca. 20 Std kaltstellen (5°C).

Die Gugelhopfform (aus Blech, Ø22cm) dick mit den 30g Butter einstreichen, und mit den halben Walnüssen belegen. Den Teig rundherum einlegen.

Diesen Teig nochmals mind. 1 Stunde gehen lassen. Dann bei ca. 200°C 1 Stunde backen. Lauwarm zu essen. Ideal dazu ein Elsässer Pinot gris oder ein Riesling.

Zwischen Meer und Lagune – ein Reisebericht aus Leucate

Eine Reise ins schöne Roussillon, genauer in die Naturistenanlage Aphrodite, hat uns schließlich ins benachbarte Oasis geführt. Wie es dazu kam – davon soll weiter unten berichtet werden. Zunächst möchte ich einmal mehr den Chambres et Tables d‘Hôte ein Kränzlein winden. In schöner Landschaft (Département Isère) konnten wir im Maison de Joanny übernachten:

BildDas hervorragende Abendessen wurde in einer großen Tafelrunde serviert, zusammen mit weiteren Gästen und den Gastgebern. Wirklich wie eine Einladung zuhause, aber mit Überraschungsgästen. Das Maison de Joanny gehört zwar vergleichsweise zu den teureren Chambres d‘Hôte, ist aber unbedingt empfehlenswert. Ein Ruhepunkt vor einer Reise an einem Samstag, der wie immer in Frankreich zur Ferienzeit mit viel Verkehr verbunden ist, ist viel wert. Wir haben uns statt der Hauptstrecken ausschließlich kleinere Nebenstraßen ausgesucht- mit viel Berg- und Talfahrt…

Hin und wieder muss man Glück haben

Nachdem wir auf unserer Strecke nahezu keinen Pass ausgelassen haben, kamen wir schließlich ziemlich müde in der Ferienanlage „Aphrodite Village“ an. Welches Erstaunen, dass man uns in der Rezeption sagte, wir sollten doch in die Rezeption des Oasis gehen – die Unterlagen befänden sich dort. Kurzum, unsere im „Aphrodite Village“ gemietete Wohnung war doppelt vergeben worden, weshalb man uns ins Oasis verlegt hatte. Zum Glück gab man uns eine Wohnung direkt am Meer, das Appartement S2.

Bild

Die Unterschiede zwischen den beiden Anlagen Oasis und Aphrodite Village sind uns schon bei unserem letzten Aufenthalt im Jahre 2006 aufgefallen, aber wir hätten nicht erwartet, dass sie so entscheidend sind. Zur Einführung kurz ein Abriß über die Einteilung der zu Port Leucate gehörigen „Villages Naturistes“. Im Jahre 1976 wurde das Naturistendorf „Aphrodite Village“ gebaut, welches nach und nach um Einheiten im gleichen Baustil (Häuser mit Parterre und erster Etage) erweitert wurde. Kurz darauf entstand die Anlage „Oasis“, mit größeren und höheren Häusern, Parterre und 2 Obergeschoße. Das einzige Ladenzentrum, zusammen mit zwei Restaurants, befindet sich nach wie vor nur im Aphrodite Village. Wer keinen Transponder zur Betätigung der Aphrodite-Tore besitzt, muss den Weg entlang dem Strand wählen. Trotzdem sind die Distanzen sehr klein. Unser Weg zum täglichen Einkauf bestand pro Strecke vier Minuten zu Fuß, direkt am Strand entlang. Einen so schönen Weg zum Einkauf sollte man immer haben können…

Weitere „Villages“ – „Oasis 2“ und „Les maisons de la jetée“ machen sich das Ladenzentrum von „Aphrodite Village“ zunutze. Die Anlagen „Ulysse“, von weitem unübersehbar als hochhausartiger Appartement-Komplex, sowie das „Eden“ sind vermutlich zu weit abgelegen für diese Läden. Jene Bewohner werden vermutlich auf die Läden in Leucate Village zurückgreifen, erreichbar entweder mit dem Auto oder mit dem Bus „Ma Navette“, welcher die Anlagen von La Franqui bis Les Barcarès verbindet.

Zurück zu unserer Überraschung. Das „Oasis“ ist mit Ausnahme der Häuser direkt am Strand rund um einen ringförmigen Boulevard gebaut. Das eigentliche Zentrum wird durch ein Kinderschwimmbecken und einer Bar / Disco namens „La Palmeraie“ gebildet. Die abendliche Geräuschbelastung kann man sich vorstellen. Während der Hauptsaison pflegen die Kinder und Jugendlichen (natürlich ausnahmslos alle angezogen) sich mit Kickboards auf den holperigen Boulevards zu vergnügen. Erst ab Mitternacht ebbt die Geräuschkulisse ab, was unseren Schlaf durchaus zu fördern imstande war…

Eigentlich – so steht es in den Regeln beider Anlagen Oasis und Aphrodite geschrieben – wäre zwischen 22:00 und 08:00 Uhr absolute Ruhe angesagt. Aber weder im „La Palmeraie“ noch in der Strandbar „Jean-Bar“ im Aphrodite wußte man etwas von dieser Regelung.

So konnten wir von Glück reden, dass unsere Bleibe nicht an einem der Boulevards war, sondern direkt am Meer. Wir wurden nur von der nächtlichen Discomusik der Jean-Bar beschallt. Bemerkenswerterweise ist die Jean-Bar nach hinten, in Richtung der Aphrodite-Häuser, einigermaßen isoliert.

Zusammengefasst kann man sagen, dass der Altersdurchschnitt im Aphrodite um Einiges höher als im Oasis ist. Im Aphrodite sind zu nachschlafender Zeit keine jugendlichen Kickboard-Fahrer anzutreffen. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass die beiden englischen Paare, mit denen wir uns angefreundet haben, etwa in unserem Alter waren und im Aphrodite gewohnt haben.

Wie der Zufall es will: Irene hat auf dem Weg zum Einkaufen zwei Liegestühle entdeckt, die von einem Appartementbesitzer vors Haus gestellt wurden – angeschrieben „pour emporter“. Da sie auf der Sitzfläche etwas eingerissen waren, wurden sie verschenkt. Bei unseren Körpergewichten spielt dies aber keine Rolle. So haben wir sie mitgenommen. Nun gehören zum Oasis-Appartement S2 ab sofort auch zwei Liegestühle:

Bild

Wir haben die ursprünglichen Eigentümer tags darauf auf dem Bouleplatz kennengelernt – es war eines der Paare, mit welchen wir uns fortan im Boulespiel gemessen haben.

Schlabberhosen am und im Wasser…

Der allgemeine Trend zur Abkehr vom konsequenten Naturismus ist auch im Oasis zu beobachten. Der Umstand, dass Jugendliche und junge Erwachsene ausnahmslos entweder in Bikini oder in Schlabberhosen herumlaufen, war zu erwarten. Aber dass ältere Erwachsene ebenfalls auf Badekleidung zurückgreifen – bei 30°C und mehr, hat uns doch verwundert. Fast alle Leute haben sich für den Weg vom Appartement zum Strand und zurück Badekleider angezogen. Den Vogel abgeschossen haben allerdings Jugendliche, die mitsamt ihren Schlabberhosen und den daraus hervorlugenden Unterhosen ins Wasser gestiegen sind.

Eigentlich ist es uns egal, was Andere tun, solange wir uns weiterhin nackt auf dem Areal bewegen dürfen. Wir besuchen schließlich nicht eine Naturistenanlage, um Andere anzuschauen. Trotzdem macht mir der beobachtete Trend Sorgen, weil durch die seltsame Kleiderordnung eine heimliche Norm geschaffen wird, die letztendlich dazu führen kann, dass immer mehr Leute diesem neuen, scheinbar „angesagten“ Konsens folgen werden – was in letzter Konsequenz dazu führen könnte, dass wieder ein weiteres Nackt-Paradies verschwindet. Und dies ist unser einziges, aber zentrales Argument gegen das ansonsten hochgelobte „clothing optional“.

Zwei Sorten Wind

Leucate zählt zu den trockensten und windigsten Gegenden Frankreichs. Der am kräftigsten blasende Wind ist der abländige „Tramontane“, welcher bei Tiefdrucklagen über dem Meer von den Bergen herabweht. Wir haben den feuchten, und nicht ganz so heißen „Marin“ vorgezogen, welcher vom offenen Meer her bläst. In der Folge kann es durch die erhöhte Feuchtigkeit zu Gewittern kommen. Es ergab sich jedenfalls eine angenehme Abwechslung zwischen den verschiedenen Winden.

Es gibt sogar Wellen!

Dank den unterschiedlichen Winden und Wetterbedingungen kamen wir in den Genuß von richtigen Wellen, welche zeitweise fast so kräftig waren wie am Atlantik. Vielleicht sind wir zu sehr vom Atlantik geprägt, denn nur bei den kräftigen Wellen kommt bei uns das richtige Meergefühl auf.

Man sagt, dass man bei fortgeschrittenem Lebensalter dazu neigt, früher aufzustehen. Bei mir trifft diese Beobachtung zu. Aber die unmittelbare Nähe zum Meer hat mich für das frühe Aufstehen belohnt – so sieht das Meer kurz nach Sonnenaufgang aus:

Bild

Irene hatte jedenfalls nichts dagegen, jeden Morgen einen von mir sorgfältig hergestellten Cappuccino ans Bett serviert zu bekommen. Die Maschinerie dazu, inklusive der Kaffeebohnen, haben wir uns von zuhause mitgenommen:

Bild

Es gibt ein Board-Mantra aus dem Kaffee-Netz: „Du brauchst die richtige Bohne“. Und: „Du benötigst eine gute Mühle“. Es hat sich gezeigt, dass man mit diesen Komponenten (und einer vergleichsweise simplen Espressomaschine wie dieser Baby-Gaggia von 1986) einen guten Espresso herstellen kann. Das Wichtigste sind immer noch die Bohnen – die beziehen wir von handwerklich arbeitenden Kleinröstereien. Zwischen diesen Bohnen und den üblichen, im Supermarkt erhältlichen, liegen Welten. Deshalb kamen die Bohnen mit in der Urlaub…

Kulinarisches

Wenn wir schon beim Kaffee angelangt sind: Nun noch ein kleiner Exkurs zu den kulinarischen Möglichkeiten der Anlagen Oasis und Aphrodite. Wie in allen Urlaubsgebieten – und vor allem an der Küste – ist das Preis-Leistungsverhältnis in der Gastronomie ungünstig. man ist besser beraten, irgendwo im Hinterland, weitab der Touristenströme auswärts zu essen. Direkt im Urlaubsgebiet ist man mit Selberkochen besser bedient. Die angebotene Qualität in den Aphrodite-Läden ist bisweilen sehr gut. Der Supermarché „Mini-Casino“ bietet Artikel des täglichen Bedarfs an, und die Früchte und Gemüse sind in unterschiedlichem Zustand. Eine frischere Qualität findet man nebenan im Wein- und Gemüseladen, wo auch eingelegte Oliven und frische Sardellen angeboten werden. Ein paar Salate, Oliven, Sardellen, Balsamicoessig, Olivenöl, Salz und Pfeffer, und fertig ist das Hors-d‘Oeuvre!

Der Metzger gleich daneben bietet eine ganze Palette an Freilandgeflügel, Rind-, Kalb- und Schweinefleisch an. Die Fleischqualität ist höher als die im „Shopi“, ausserhalb des Areals in Leucate-Village. Das setzt die zugegebenermaßen geringfügig höheren Preise in eine andere Relation. Einen Vergleich mit Lidl kann ich nicht anbieten – werde dies auch nie können, weil der Slogan „Geiz ist geil“ für mich im Lebensmittelsektor nichts zu suchen hat. Eine anständig produzierte Ware kostet nunmal ihr Geld.

Die nähere Umgebung

Das zum Corbières maritimes gehörige Dorf Leucate besteht aus mehreren Teilen:

  • Leucate-Village mit dem sonntags stattfindenden Wochenmarkt – das in der Hauptsaison restlos mit Fußgängern und Autos verstopfte Dorf am Hang.
  • Leucate-Plage, welches außerhalb der Saison sehr ruhig ist. Ein Badeort im klassischen Sinn.
  • La Franqui mit seinen heruntergekommenen Villen aus der Belle-Époque. Hier ist auch der Bahnhof von Leucate. Der im selben Ortsteil befindliche Reitstall „Desperado Ranch“ machte auf uns einen zweifelhaften Eindruck.
  • Port Leucate, eine vom Massentourismus geprägte Feriensiedlung mit den üblichen Einrichtungen wie Schnellimbiss, Disco, Casino etc. Südlich an Port Leucate direkt anschließend befindet sich der Badeort Les Barcarès, welcher mit einem noch größeren Angebot an „Remmidemmi“ aufwartet.

Die Gegend ist geprägt vom Salzsee „Étang de Leucate ou de Salses“. Zwischen offenem Meer und dem See befindet sich eine teilweise sehr schmale Landzunge. Der See ist vor allem bei den Windsurfern beliebt. Eine weitere Attraktion, direkt neben den „villages naturistes“, ist die Austernzuchtanlage. Die Austernzucht ist direkt vom Strand der Anlage „Ulysse“ erreichbar.

Zusammenfassung

Unser diesjähriger Urlaub im „Oasis“ gehörte zu den schönsten Ferien, die wir bisher hatten. Das lag sicher auch am durchgängig schönen Wetter bei Temperaturen zwischen 25 und 33°C, aber vor allem, dass wir das Glück hatten, direkt am Meer wohnen zu dürfen. Für zukünftige Aufenthalte in diesen Anlagen haben wir uns vorgenommen, frühzeitig bei den Eigentümern ausgewählter Appartements (vozugsweise Aphrodite) vozusprechen. Wenn Oasis, dann nur in direkter Meerlage!

Eine ebenfalls interessante Variante: Buchung außerhalb der Hauptsaison. Neben günstigeren Miettarifen wird die reduzierte nächtliche Geräuschkulisse vermutlich der Hauptvorteil sein.

Das Reisebüro Oböna, bei dem wir unseren Aufenthalt gebucht haben, möchte ich ganz zum Schluß noch positiv erwähnen. Wir sind hervorragend beraten worden, was die Ausstattung des gemieteten Objekts betrifft. Dass das Appartement im Aphrodite doppelt vergeben worden ist, war auf einen Fehler vor Ort zurückzuführen. Wenn man nicht ein bestimmtes Objekt im Auge hat, oder die lokale Vermietungsagentur vor Ort nicht kennt, ist ein Reisebüro wie z.B. Oböna nach wie vor der passende Ansprechpartner.

Gefüllte Kalbsbrust

Ein winterliches Gericht, das aber je nach Beilage auch in der wärmeren Jahreszeit gerne gegessen wird.

Zutaten
  • ca. 850 – 1000g Kalbsbrust, in die man eine Tasche geschnitten hat
  • 100g braune Champignons (Egerlinge)
  • 1 Bund Petersilie
  • 1 Zwiebel, 2 Zehen Knoblauch
  • 250g Hackfleisch (gemischt). Idealerweise selbst durch den Wolf gedreht
  • Etwas altbackenes Brot ohne Rinde, eingeweicht und ausgedrückt
  • 2 Eier
  • Salz, Pfeffer
  • Bratgarnitur aus Karotten, Pfälzer Rüben, Sellerieknolle
  • Saucenknochen
(auf das Bild klicken, um es zu vergrößern)
Herstellung

Zunächst wird eine Duxelles hergestellt: Zwiebeln, Knoblauch fein schneiden und in Butter anschwitzen. Petersilie und Champignons durch den Wolf drehen und  zu der Zwiebel-Knoblauchmischung geben. Solange dünsten, bis das ausgetretene Wasser verdampft ist.

(auf das Bild klicken, um es zu vergrößern)

Eine Füllung herstellen, indem die abgekühlte Duxelles mit dem Hackfleisch, dem Brot und den Eiern gründlich vermischt und verknetet wird. Mit Salz und Pfeffer würzen.

Das Fleisch vorbereiten (salzen, pfeffern) und die Füllung hineingeben. Das offene Ende der Tasche mit Küchengarn vernähen.

Den Braten und die Saucenknochen bei hoher Temperatur (250°C) anbräunen, dann die Bratengarnitur hinzufügen, etwas Weißwein und Bouillon hinzufügen und bei niedriger Temperatur insgesamt 2½ bis 3 Stunden zugedeckt garen (150 – 160°C).

(auf das Bild klicken, um es zu vergrößern)

Zu servieren mit Teigwaren oder Salzkartoffeln. In der warmen Jahreszeit passt auch frisches Brot. Dazu ein Gemüse aus der Saison servieren, z.B. Rosenkohl, Broccoli oder grüne Bohnen.