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Drei Tage Naturismus in Mittelhessen


Nachtrag  im November 2015: Das Parkhotel in Solms-Albshausen ist seit Mai 2015 geschlossen.


Schon lange wollten wir ein weiteres naturistisches Hotel näher unter die Lupe nehmen, eines, das uns bislang nur dem Namen nach ein Begriff war: Parkhotel – Parksauna in Solms-Albshausen. Dieser Ortsteil befindet sich nahe Wetzlar, der Metropole (50’000 Einw.) des Lahn-Dill-Kreises in Mittelhessen.

Die Osterfeiertage boten sich an für eine spontane Reise. Natürlich nicht ohne vorherige Reservation, denn dieses Hotel hat gerade einmal 8 Zimmer. Somit haben wir 3 Tage Halbpension gebucht, für gerade einmal 150 € pro Person, minus 5% Barzahlungsrabatt, minus 5% Rabatt für DFK-Mitglieder.Das Angebot dieses Hotels, obwohl es auf der eigenen Webseite erläutert ist, hat unsere Erwartungen übertroffen. Wir wurden von Wolfgang Thiele und seiner Lebensgefährtin Rita sehr freundlich empfangen. Was man, falls man Wert darauf legt, an schicken Designermöbeln und ebensolcher Innenarchitektur vermissen könnte, wird durch die Qualität des Gebotenen und durch die freundliche und lockere Atmosphäre mehr als ausgegeglichen.

Ein besonderer Lichtblick war das Essen. Es wird von Wolfgang persönlich zubereitet, ohne jegliche Zuhilfenahme von Bofrost, Eismann und wie alle übrigen Convenience food-Händler heißen mögen. In Frankreich nennt man diese Art Küche „cuisine du terroir“, man findet sie z.B. in den sagenhaft guten Tables et Chambres d’Hôte. Um ein Beispiel zu nennen: der Salatteller umfaßt mehr als zwölf Komponenten: Kopfsalat, Radicchio, Chinakohl, Tomaten, rohe Champignons, drei Sorten Peperoni (Paprika), selbst eingelegte Chillies (Peperoncini), Möhren, Oliven, Rettich, Zwiebeln, Brunnenkresse. Und als Sauce nicht etwas das käufliche Zeug aus dem Kanister, sondern eine selbst hergestellte Mischung aus Sauerrahm, Joghurt und Kräutern.

Eine kleine Kritik könnte ich an dem an einem Abend servierten Gulasch anbringen, aber mehr im Sinne einer konstruktiven Anmerkung. Das verwendete Rindfleisch war zu mager, und es wurde vermutlich bei zu hoher Temperatur gegart. Dadurch trennen sich die Fleischfasern zwar voneinander, aber die harte Faserstruktur bleibt erhalten. Mehr zum Thema in der Rubrik Koch- und Backrezepte.

Die parkähnliche Gartenanlage wird durch einen sorgfältig bepflanzten und gepflegten Steingarten vom (geheizten) Pool abgegrenzt. Wer Schatten haben möchte, kann sich unter die Bäume legen, wer in die pure Sonne liegen will, hat zusätzlich eine Sonnenterrasse zwischen den Hotelgebäuden zur Verfügung. Der heiße Whirlpool hat leider schon bessere Tage gesehen, und der Lärm der Luftpumpe erfüllt die Gegend. Von mir aus könnte man die Blubberbläschen abschaffen, denn die Geräuschkulisse der Vögel ist umwerfend, vor allem am Morgen, kurz vor Sonnenaufgang.

Nachtrag zum Thema Luftpumpe des Whirlpools: Wie mir der Inhaber, der inzwischen ebenfalls nacktKULTUR-Forenmitglied ist (willkommen, Wolfgang!), mitgeteilt hat, wird die Luftpumpe demnächst ausgetauscht.

Es stehen zwei Saunen zur Verfügung, eine trockene mit 95°C, und eine feuchte mit 70°C. Was man – in Unkenntnis des Echten – als verwittertes altes Holz bezeichen möchte, ist in Wahrheit teures Kelo-Holz, das für die Innenauskleidung der Saunen verwendet wurde.

Für kalte Witterung, oder wenn man Stille vorzieht, gibt es einen Ruheraum, ausgestattet mit Matratzen, Kissen und Wolldecken. In einem Teil des Raums befinden sich zwei Sonnenliegen, bestehend aus je 5 HQL-Mischlichtstrahlern und 3 Wärmelampen.

Soviel zum Hotel. Das Umland hat Einiges zu bieten, und, im Gegensatz z.B. zum „Hotel zum Walde“ in Stolberg/Zweifall, wo die Attraktionen weiter entfernt sind (Aachen, Hohes Venn, Maastricht), befindet sich alles in einem engen Umkreis. Die nächstgrößere Stadt, Wetzlar, ist gerade einmal 7km entfernt. Der absolut sehenswerte Wetzlarer Dom wird gemeinschaftlich von der evangelischen und der katholischen Gemeinde genutzt. Während des Ostergottesdienstes am Sonntag durften wir zwei Taufen miterleben.

In Braunfels, ebenfalls nur wenige Kilometer entfernt, ist die zum Barockschloss ausgebaute Burg sehenswert. Unterhalb dieses Luftkurortes befindet sich der Mühlenteich mit drei Waldlehrpfaden. Wir haben den nicht ganz so sonnigen Ostersamstag zu einem ausgedehnten Waldspaziergang genutzt.

Der Sonntagabend im Restaurant der Parksauna wurde noch von einem spontanen Einmann-Konzert des Gastgebers gekrönt. Was wir nicht wußten: der Wirt, Wolfgang Thiele, der das Haus seit 1986 führt, ist außerdem ein begnadeter Bluesmusiker. So gab er neben Klassikern der Bluesmusik auch noch Eigenkompositionen zum Besten, mit Gesang, E-Gitarre und Bluesharp.

Alles in Allem: Es war ein sehr erfreulicher Osterausflug nach Mittelhessen!

Eine kleine Impression des Steingartens:

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