Valalta


Nachtrag  im Dezember 2015: Valalta ist ab 1. Mai 2016 nur noch bis zum Steinbruch für die Naturisten zugänglich. Der idyllische Teil beim Restaurant Saline ist von der übrigen Anlage abgetrennt worden und ist nun als Textil-Campingplatz „Val Salina“ über eine eigens eingerichtete Rezeption erschlossen.
Quelle: Facebook-Seite von Valalta


Diesen Herbst hatten wir geplant, unseren Urlaub in Istrien zu verbringen. Es war unser erster Aufenthalt in Kroatien.

Von allen Seiten wurde uns dieses Land und seine Bewohner gerühmt. Was soll ich sagen – sie hatten alle Recht! Kurzum, es war nicht unser letzter Urlaub in Kroatien. Doch der Reihe nach…

Zunächst galt es, ein passendes Urlaubsdomizil zu finden. Die üblichen naturistischen Anlagen auf der Halbinsel sind relativ dicht beieinander:

  • Solaris in Porec
  • Koversada in Vrsar
  • Valalta in Rovinj
  • Ulika in Rovinj

Da wir für den Aufenthalt ein Apartment mit eigener Küche vorziehen, entfiel das letztgenannte Ulika, welches nur Camping anbietet. Alle Anlagen haben ziemlich aussagekräftige und gut gestaltete Webseiten, welche mindestens einen Anfangbestand an Informationen liefern. Wie nachher die Realität aussieht, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Wir haben uns schließlich für Valalta entschieden, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass es dort völlig neu renovierte Apartments gab, und dies zu einem akzeptablen Preis.

Unser Entscheid für Valalta hat sich in mehrfacher Hinsicht als richtig erwiesen. Die Anlage ist außerordentlich gut gepflegt, die Apartments (Typ LB4) tatsächlich vom Feinsten – solche Ausstattung kennt man normalerweise aus noblen Hotels. Ein sehr großer Pluspunkt sind die überall auf der ganzen Anlage verteilten Liegestühle und die fest installierten Sonnenschirme:

Was wir anfangs garnicht so richtig zur Kenntnis gemommen haben: Die Apartment in Valalta werden täglich geputzt, und die Wäsche regelmäßig und bei Bedarf gewechselt. Also ein Service wie im Hotel. Ein spezielles Kränzlein sei unserer „Betreuerin“ Snežana gewunden. Sie hat unser Apartment täglich mit einem freundlichen Lächeln aufgesucht und liebevoll geputzt. So sah das Apartment aus:Bild

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Wie wir gesehen haben, werden die Apartments auch auf Wunsch mit Halbpension vermietet. D.h. man bekommt sein Frühstück und das Abendessen im nahegelegenen Restaurant „Glavni“ serviert. Außerhalb der Saison (Ende September) ist das jedoch eine eher trostlose Sache – es hat wenige Gäste, die in einem großen Saal sitzen, welcher seine Wurzeln im ehemaligen sozialistischen Vielvölkerstaat Jugoslawien nicht ganz verleugnen kann. Eine freundliche Atmosphäre wird hier erst durch zahlreiche Gäste bestimmt.Was hier als Nachteil erscheint, ist auf der anderen Seite ein Vorteil: Am Strand ist paktisch überall Platz, man kann sich seinen Liegeplatz beliebig aussuchen. Immerhin ist die Anlage für bis zu 7200 Bewohner in Spitzenzeiten ausgelegt. Das Camp, 70ha groß, besteht vorwiegend aus Campingparzellen, Stellplätzen für Wohnmobile und fest installierten Mobilheimen. Zwischen den Parzellen befinden sich viele gepflegte Wasch- und WC-Häuser. Die Apartments (Bungalows) befinden sich auf einer relativ kleinen Fläche im Zentrum der Anlage, in direkter Nachbarschaft zu der umfangreichen Anlage der Swimmingpools, Läden und Restaurants. Es gibt zwei aneinandergebaute Bungalow-Siedlungen „Valalta“ und „Lavri“.

Zum Camp gehört eine 5km lange Küstenlinie, und ein schöner Spazierweg auf einem noch brachliegenden Teil, entlang des Limski Fjord. Zwei Aussichtstürme geben eine Übersicht über den Fjord. An dem Ufer gegenüber des Fjordes, im Norden, sieht man das Städtchen Vrsar. Der von uns bevorzugte Platz zum Sonnen war der „Affenfelsen“, wie er hier genannt wird – ein felsiger Strandabschnitt in direkter Nachbarschaft zum Camp-eigenen Bootshafen und zum Limski-Fjord.

Während unseres Urlaubs haben wir die Gelegenheit genutzt, und haben die übrigen zwei größeren Camps auf Istrien besucht – Solaris und Koversada. Beide Anlagen haben ihre Reize, aber die Wohnsituation (in den ebenfalls sozialistisch geprägten) Wohnblocks hat uns weniger gefallen. Vor allem sind die bereits erwähnten Liegestühle und Sonnenschirme auf dem Camp Valalta einzigartig, Ähnliches haben wir auf den beiden besuchten Anlagen nicht angetroffen.

Wer sich mit der Lehre Adolf Kochs beschäftigt hat, und für den auch Edi Fankhauser und Werner Zimmermann keine Unbekannten sind, wird sich in Kroatien verwundert die Augen reiben: Sämtliche WC-Häuschen und Duschanlagen sind auf den von uns besuchten Camps in Istrien doppelt vorhanden – eins für Männlein, eins für Weiblein! Der von diesen Wegbereitern des Naturismus angedachte unbefangene und natürliche Umgang zwischen Frauen und Männern ist nicht bis nach Kroatien vorgedrungen. Möglicherweise hängt damit auch das Verbot zusammen, die Läden und Restaurants auf dem Camp nackt zu betreten.

Es handelt sich also eine ähnlich halbherzige Version des Naturismus, wie sie uns in der Anlage der ONS in Thielle, die neue zeit, begegnet ist. Wir sind in dem dortigen Gartenrestaurant (im Freien!) „Aux Philosophs“ nicht bedient worden, weil wir die Frechheit besaßen, es nackt aufzusuchen. Immerhin sind die Verbotsschilder für Nacktheit in Valalta gut sichtbar angebracht, weshalb man sich darauf einstellen kann. Nach diesem kleinen Exkurs an den Neuenburgersee wieder zurück nach Istrien.

Istrien ist von einer Autobahn (mit Mautgebühren) sehr gut erschlossen. Wer von Italien (Triest) anreist, tut gut daran, sich über die Gepflogenheiten in Slowenien zu informieren. Dieses Land muss man für ca. 20km durchqueren. Die Straße nach dem Grenzübergang von Triest führt direkt auf die Slowenische Autobahn, wo für gerade mal 6km (!) Vignettenpflicht besteht. Wer ohne Vignette erwischt wird, zahlt bis zu 800€ Strafe. Man kann dieses kleine Autobahnstückchen nach Koper vermeiden: Direkt hinter der Grenze ist eine Raststätte. Man fährt auf den Parkplatz, und biegt direkt rechts ab auf ein kleines Sträßchen, das nach Skofije führt. Von dort fährt man nach Bertoki, dort Richtung Dekani, und wenn man an der Kreuzung in Sveti Anton angelangt ist, hat man’s geschafft – die Landstraße führt in Richtung Kroatien (Pula). Es gibt eine hier PDF-Datei, welche den Weg von Triest nach Koper ohne Vignette bebildert beschreibt.

Das Camp Valalta ist etwa 7km von dem wunderschönen Städtchen Rovinj entfernt. Die Kirche „Sveta Euphemia“ thront über der Altstadt, welche in alten Zeiten eine Insel war. Daher rührt die verdichtete Bauweise, mit winzigen, malerischen Gassen. Das Städtchen ist unbedingt einen Besuch wert, ebenso auch der zugehörige Markt direkt am Hafen. Apropos Markt: Porec, nicht weit nördlich von Rovinj gelegen, hat eine sehenswerte Markthalle.

Es gäbe noch viel zu berichten – die obigen Zeilen beschreiben nur oberflächlich, was uns alles Schönes begegnet ist. Bei Bedarf werde ich gerne weitere Informationen zum Reiseziel Valalta vermitteln.