Mit Liebe zur Sache

Der libanesische Maler, Philosoph und Dichter Khalil Gibran (1883-1931) schrieb in seinem Werk “Der Prophet” ein Kapitel “Von der Arbeit”, das ich auszugsweise hier veröffentlichen möchte:

Ein Landmann sagte: Sprich uns von der Arbeit

Und der Prophet antwortet und sagte: Ihr arbeitet, um mit der Erde und der Seele der Erde Schritt zu halten.

Und alle Arbeit ist leer, wenn die Liebe fehlt; und wenn ihr mit Liebe arbeitet, bindet ihr euch an euch selber und an einander und an Gott. Und was heißt, mit Liebe arbeiten?

Es heißt, das Tuch mit Fäden weben, die aus euren Herzen gezogen sind, als solle euer Geliebter dieses Tuch tragen. Es heißt, ein Haus mit Zuneigung bauen, als solle eure Geliebte in dem Haus wohnen. Es heißt, den Samen mit Zärtlichkeit säen und die Ernte mit Freude einbringen, als solle euer Geliebter die Frucht essen. Es heißt, allen Dingen, die ihr macht, einen Hauch eures Geistes einflößen.

Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe.

Und wenn ihr nicht mit Liebe, sondern nur mit Widerwillen arbeiten könnt, lasst besser eure Arbeit und setzt euch ans Tor des Tempels und nehmt Almosen von denen, die mit Freude arbeiten.

Denn wenn ihr mit Gleichgültigkeit Brot backt, backt ihr ein bitteres Brot, das nicht einmal den halben Hunger des Menschen stillt. Und wenn ihr die Trauben mit Widerwillen keltert, träufelt eure Abneigung ein Gift in den Wein. Und auch wenn ihr wie Engel singt und das Singen nicht liebt, macht ihr die Ohren der Menschen taub für die Stimmen des Tages und die Stimmen der Nacht.

Diese Geschichte kam mir neulich in den Sinn, als ich über Begegnungen aus jüngerer Zeit nachgedacht habe. Es sind Begegnungen mit drei Geschäftsfrauen aus drei verschiedenen Ländern, die alle etwas gemeinsam haben: Sie üben ihren Beruf mit Liebe zur Sache aus. Es ist das persönliche Engagement in der alltäglichen Arbeit, das der Kunde spürt.


 

8-à-Huit, Lebensmittelgeschäft in F-68480 Oltingue

Nadine Fritschy, die zusammen mit ihrem Team den Laden führt, engagiert sich für lokal angebaute Lebensmittel. Jedes landwirtschaftliche Produkt, das der Bauer im Nachbardorf in ansprechender Qualität liefern kann, ist in Nadines Laden zu kaufen. Die Fleischwaren, die sie anbietet, sind von einem Metzger in der Nachbarschaft hergestellt. Alle übrigen Waren werden im Franchise-System durch den Carrefour-Konzern geliefert. Es ist zwar ein kleiner Laden auf dem Dorf – aber wenn ich etwas suche, das nicht im Laden ist, spreche ich mit Nadine – und, oh Wunder, womöglich ist das Gesuchte einige Tage später erhältlich!


Carolines Holzofenbrot, in CH-4253 Liesberg

Eine gelernte Bäckerin hat sich selbständig gemacht. Sie bäckt Brot und Kuchen in unerreichter Qualität – währenddem andere Leute schlafen – und bietet anschließend ihre Waren feil auf verschiedenen lokalen Wochen- und Monatsmärkten. Fast jedesmal, wenn ich sie an einem ihrer Standorte besuche, stellt sie fest, dass es noch so früh ist, und sie ihre Waren nahezu verkauft hat. Sie braucht keine Reklame mehr – das Brot und die Torten sprechen für sich! Seitdem ich Carolines Linzertorte kenne, backe ich selbst keine mehr, weil ich sie in dieser delikaten Form nicht zustande bekomme.


 

Kaffee-Total, Kaffee-Spezialgeschäft in D-78315 Radolfzell

Birgit Hotz, ihres Zeichens Barista-Trainerin und Kaffee-Spezialistin, betreibt zusammen mit ihrem Mann Thomas einen Laden für Kaffee und High-End-Espressomaschinen, also Produkte, die auf den Prosumenten zugeschnitten sind. Das Geschäft befindet sich ziemlich versteckt im Radolfzeller Ried am Bodensee. Trotzdem geben sich die Stammkunden die Klinke in die Hand, nicht zuletzt wegen dem einzigartigen Kaffee, den Birgit und Thomas jeweils Freitag nachmittags selbst rösten und mischen. Diese Kaffee-Hausmarke heißt “World’s End”, was aber mit der geographischen Lage des Geschäfts nichts zu tun hat, wie ich mir habe sagen lassen…


 

Die drei hier vorgestellten Geschäftsfrauen geben mir als Kunde nicht das Gefühl, dass ich nur wegen des zu erwartenden Umsatzes willkommen bin. Die menschliche Begegnung mit mir als Kunde, ihr fachlich engagierter Rat, ihr Einsatz für das hergestellte oder verkaufte Produkt – all dies bringt Khalil Gibrans These auf den Punkt:

Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe

Quitten-Tarte

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Zutaten (Teig)

  • 300g Mehl (besser: Hartweizendunst)
  • 125g Butter
  • 125g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 Ei
  • 50-100ml Rahm(1)

Zutaten (Belag & Royale)

  • 3 mittlere Quitten, geschält, geachtelt, in feine Scheibchen geschnitten
  • 150g Zucker
  • 2 große Eier
  • 200ml Rahm(2)

Herstellung

Trockene Zutaten mischen, kleingeschnittenene kalte Butter mit den Fingern darunterreiben, mit dem Ei und dem Rahm(1) zu einem festen Teig zusammenfügen. Den Teig eine halbe Stunde ruhen lassen.

Eine Ø 28cm-Form buttern, mit dem Teigs auslegen.

Für die Füllung die rohen Quitten fein geschnitten auf dem Teig verteilen. Eine Royale aus Eiern, Zucker und Rahm(2) herstellen, die Quitten damit bedecken. Nochmals mit etwas Zucker bestreuen.

Bei 200°C (Umluft) anbacken, dann bei 170°C fertigbacken. Dauer ca. 60 Minuten.

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Königsberger Klopse

Ursprünglich ein lokales Gericht aus dem früher ostpreußischen Königsberg (Kaliningrad), jetzt eine international bekannte Spezialität. Über die exakte Zubereitung kann man sich in guten Treuen streiten… Ich ziehe eine Variante vor, die ich in Abwandlung eines Rezepts des dieses Jahr verstorbenen Martin Born entwickelt habe. Martin Born alias „Gießbert“ war zuletzt Programmchef des SWR. Sein Rezept wurde anläßlich einer Kochkunst-Sendung von Vincent Klink veröffentlicht.

Zutaten

  • 400 gehacktes Schweinefleisch (vozugsweise etwas durchzogen, z.B. Hals)
  • 4 Scheiben eingeweichtes Brot
  • 1 fein geschnittene Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen, fein geschnitten
  • 4 Sardellenfilets
  • 1 Ei
  • fein geschnittene Blattpetersilie (Prezzemolo)
  • 125ml Weißwein (z.B. Chardonnay)
  • 125ml Hühnerbouillon
  • Bratbutter
  • 1EL Mehl
  • 1EL kleine Kapern
  • 100ml geschlagener Rahm

Zubereitung

Brot einweichen, dann ausdrücken. Fleisch, Sardellenfilets und Brot durch den Wolf drehen. Zwiebeln/Knoblauch in Bratbutter gardünsten, zur Masse hinzufügen, ebenso die Petersilie. Salzen, pfeffern, mit 1 Ei glattrühren, und kleine Klopse (Ø 40mm) daraus formen. Geht am besten mit nassen Händen. Die Klopse direkt in eine leise köchelnde Mischung aus der Bouillon und dem Weißwein legen. Garziehen lassen.

Inzwischen mit Bratbutter und Mehl eine Mehlschwitze bereiten. Wenn die Klopse gar sind, sie auf einem heißen Teller reservieren und eine Sauce aus der Mehlschwitze und dem Sud bereiten. Kapern hinzufügen, und den Schlagrahm unterziehen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, und darin die Klopse nochmals erhitzen.

Mit kleinen Salzkartoffeln (mit Petersilie garniert) und einem gemischten Salat servieren. Zum Trinken empfehle ich einen jungen Beaujolais, oder wie auf dem Bild gezeigt, einen Weißwein aus dem Elsass.

Tuorta da nusch (Engadiner Nusstorte)

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Zutaten (Teig)

  • 250g Butter
  • 250g Zucker
  • 450g Mehl
  • geriebene Zeste von ½ Zitrone (möglichst ungespritzt)
  • Prise Salz
  • 1 Ei

Zutaten (Füllung)

  • 250g Zucker
  • 400g Walnüsse, grob zerkleinert
  • 3 Esslöffel Honig
  • 250ml Rahm

Herstellung

Trockene Zutaten mischen, kleingeschnittenene kalte Butter mit den Fingern darunterreiben, mit einem Ei zu einem Mürbeteig zusammenfügen. Den Teig eine halbe Stunde ruhen lassen.

Für die Füllung den Zucker zu hellbraumen Caramel verarbeiten, die gob zerkleinerten Walnüsse hinzufügen und mitrösten, dann den Honig und den Rahm untermischen. Die Masse auf gut handwarm herunterkühlen lassen.

Eine Ø 26cm-Form buttern, mit 2/3 des Teigs auslegen. Füllung (handwarm) verteilen, dann aus dem restlichen Drittel des Teigs einen Deckel auflegen und verzieren. Bei 170°C (Umluft) anbacken, dann bei 150°C fertigbacken. Dauer ca. 60 Minuten.

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Empfehlung: Nur ganz schmale Stücke servieren, der Kuchen ist sehr üppig – wie auch ein Blick auf die Zutaten verrät. Dieses große Stück – eigens für das Foto-Shooting herausgeschnitten – reicht gut für zwei Personen.

Ein schönes Geschäftsmodell

Da die Abzocke im Internet schon oft genug – zu Recht, wie ich meine – gebrandmarkt wird, ist es nun an der Zeit, auf ein positives Beispiel hinzuweisen, das in genialer Weise die technischen Möglichkeiten des Internet zum Vorteil aller Beteiligten nutzt.

Die Rede sei von Magnatune. Es ist ein Portal, das kostenlose Musik im Streaming-Verfahren anbietet. Wer Gefallen an den unzähligen Alben verschiedenster Genres findet, kann sie gegen ein kleines Entgelt herunterladen, sowohl im MP3-Format wie auch als WAV, um daraus eine eigene CD zu brennen. Das per Kreditkarte zu überweisende Entgelt wird vom Kunden bestimmt, es muss pro Album jedoch mindestens 5 US$ betragen. Und ein Käufer darf bis zu 3 Kopien von der Musik anfertigen, die er kostenlos weitergeben kann. Wer sich keine CD selbst brennen will, kann auch seine CD direkt bei Magnatune bestellen. Das Geschäftsmodell ist über die Creative Commons License definiert. Hier ist genaueres über das System nachzulesen.

Das kostenlose Streaming funktioniert entweder über den Flash-Player oder über eine herunterzuladende m3u-Datei für den Mediaplayer, wahlweise 128 kB oder 64kB. Der einzige Unterschied zu den heruntergeladenen CDs ist die Ansage zwischen jedem Titel.

Das eingenommene Geld kommt zu 50% den beteiligten Musikern und Musikerinnen zugute. Ein Blick, oder besser, ein Hineinhorchen in die Webseite zeigt, dass es sich durchwegs um hochkarätige KünstlerInnen handelt! Mir haben es speziell die Werke der Renaissance angetan, z.B. von Jeni Melia und Chris Goodwin oder auch Emma Kirkby, aber auch die Einspielungen des English Concert unter Trevor Pinnock sind einzigartig!

“We are not evil” lautet der Leitsatz von Magnatune. Wie wahr – ein Geschäftsmodell so schön wie OpenOffice.org!

Unfrieden – leider auch unter Naturisten

Im heutigen NZZ-Folio ist unter der “Vereinsleben-Kolumne” ein Bericht über einen Konflikt unter Naturisten abgedruckt. Ein Ehrenmitglied des Naturisten-Vereins “die neue zeit” soll von dem Vereinsgelände vertrieben werden. Für das Ehrenmitglied, Horst Neumann, wehrt sich Kurt Haupt mit seiner eigens dafür eingerichteten Webseite.

Die Sicht des Vereins „die neue Zeit“ wird in den Informationen des Stiftungsrats dargelegt.

Ich finde es ernüchternd, dass Konflikte unter Nackten unter den gleichen “Spielregeln” ausgetragen werden wie in der übrigen Welt. Die Vision der “neuen zeit” erweist sich als wenig tragfähig.

Zwetschgenkuchen

Zutaten

  • 125g Butter
  • 60g Zucker
  • 250g Mehl
  • geriebene Zeste von ½ Zitrone (möglichst ungespritzt)
  • Prise Salz
  • 1 Ei
  • 150g Rohmarzipan
  • 200g gemahlene Mandeln
  • ca. 1 kg Zwetschgen, entkernt und geviertelt
  • Zucker zum Bestreuen

Herstellung

Trockene Zutaten mischen, kleingeschnittenene kalte Butter mit den Fingern darunterreiben, mit einem Ei zu einem Mürbeteig zusammenfügen. Eine Ø 29cm-Form buttern, mit dem Teig auslegen. Das feingeschnittenene Marzipan darauf verteilen, die geriebenen Mandeln daraufschütten, und die Zwetschgenviertel verteilen. Mit Zucker bestreuen.

Bei 200°C (Konvektion) ca. 50 Minuten backen.

Reduzierte Menge für eine Ø 23cm-Form:
  • 85g Butter
  • 40g Zucker
  • 170g Mehl
  • etwas geriebene Zitronenzeste (möglichst ungespritzt)
  • Prise Salz
  • 1 Eigelb und ggf. etwas Wasser
  • 100g Rohmarzipan
  • 100g gemahlene Mandeln
  • ca. 550g Zwetschgen, entkernt und geviertelt
  • Zucker zum Bestreuen

Die Backzeit verringert sich um ca 10 Minuten.

Urlaub im Südwesten Frankreichs

Ein paar Worte zu zwei Anlagen im Département Gironde

Vor kurzem sind wir von unserem Urlaub in Euronat zurückgekehrt. Es folgt hier eine Schilderung unserer (sehr positiven!) Eindrücke, die natürlich unsere persönliche Sicht der Dinge beschreibt.Es ist vorauszuschicken, dass wir zum ersten Mal unseren Urlaub in Euronat verbracht haben, zuvor waren wir, so es ein Urlaub an der südfranzösischen Atlantikküste sein sollte, stets im „La Jenny“ in Le Porge, ca. 100km südlich von Euronat. Wenn ich richtig gezählt habe, waren wir zuvor neun Mal im La Jenny. Also sind wir eine Art „La Jenny“-addicts…

Es kann natürlich nicht ausbleiben, dass man die Anlagen miteinander vergleicht, obwohl es entscheidende Unterschiede zwischen beiden gibt.

Größe der Anlagen, Zweckbestimmung

Mit 335ha ist Euronat fast doppelt so groß wie das „La Jenny“ mit etwa 180ha. Euronat bietet Campern, Wohnmobilen, Wohnwagen und Chaletbewohnern gleichermassen eine schöne Unterkunft, wohingegen das „La Jenny“ nur Chalets anbietet, davon jedoch eine sehr breite Palette an Komfort- bis Luxusstufen. Die schiere Größe des Euronat macht die Anmietung von Fahrrädern nötig. Je nach gemietetem Chalet ist auch schon ein Fahrrad dabei – so wie z.B. in unserem Chalet. Allerdings musste ich es zuvor reparieren und die Reifen mit Luft versehen, danach lief es prima. Die bei Jeuronat gemieten Fahrräder sind extrem teuer. Es gibt leider auch Zeitgenossen, die auf die ökologische und ökonomische Fortbewegung mittels Fuß oder Fahrrad verzichten, und tagtäglich mit dem Auto(!) an den Strand und zum Einkaufen fahren.

Die Anlagen sind der Übersichtlichkeit halber aufgeteilt. Das „La Jenny“ teilt sich in die Südhälfte mit den einfacheren Unterkünften und in die Nordhälfte mit den Luxusvillen und dem Golfplatz. Überflüssig zu erwähnen, dass wir die Südhälfte vorziehen. Das Euronat bestehr aus etwas mehr Teilen, welche nach den Erdteilen benannt sind: Ozeanien, Asien, Europa, Südamerika, Afrika, Nordamerika. Daneben das Campingareal, jenes für Wohnwagen, und für Wohnmobile.

Der Strand

Der Sandstrand, welcher zu den jeweiligen Anlagen gehört, ist immens lang – man kann auf beiden Stränden kilometerweit nackt dem Meer entlang spazieren. Euronat’s Strand ist ein wenig schmaler – natürlich je nach Tide schmal bis mittelmässig breit, und gesäumt von einer unter den Dünen begrabenen Straße, was zu einer Art Abbruchkante vor dem Sand führt, welche nicht gerade schön anzusehen ist. Ebenfalls nicht schön anzuschauen sind die vielen halbverrotteten Bunker mitten im Sandstrand, welche zu Hitler’s Atlantikwall gehörten. Mehr Information gibt’s auch hier. Eine Spezialität des Euronat ist das Vorkommen eines grau-grünen Schlamms. Im Sand sind überall solche Brocken verteilt. Unser Forumsmitglied leucatien hat sich und seiner Frau eine solche kostenlose Schlammpackung gegönnt, wie man hier sehen kann. Trotz des lustigen Schlammerlebnisses geht der Punkt für einen schönen Strand klar an das „La Jenny“.

Infrastruktur

„La Jenny“ hat als Zentrum der Anlage einen schönen Poolbereich, der für jeden Geschmack und jede Schwimmfähigkeit etwas bietet. Rund um den Pool ist eine Sonnenterrasse, welche am Abend auch als Zuschauertribüne für die Darbietungen dient. Am Pool sind zwei Restaurants mit Bar angegliedert. Hinter diesem Zentrum befindet sich die eher bescheidene „Einkaufsmeile“ mit Lebensmittelladen, Boutiquen, Coiffeur, und dreimal pro Woche einem Fischstand.

Das Euronat hat keinen eigentlichen Pool, als Ersatz dient allenfalls die Schwimmhalle mit angegliedertem kleinen Außenpool für die Kinder. Der Eintritt in diese Halle ist kostenplichtig, sofern man nicht bei Miramare gebucht hat, wo man einen kostenlosen Eintritt für die Dauer des Aufenthalts bekommt. Beide Anlagen haben auch eine Sauna, wobei die Sauna im Euronat Bestandteil des Thalassozentrums ist. Auch hier gibt Miramare pro Person einen Eintritt kostenlos.

Das eigentliche Herz des Euronat ist der Hauptplatz mit den Ladenfronten. Es gibt eine Vielzahl an Läden mit einem hervorragenden Angebot. Eine Aufzählung würde hier zu weit führen – einen Überblick vermittelt Peter Rieger auf seiner Euronat-Webseite. Was die Freundlichkeit in den Läden anbetrifft, und die Qualität der angebotenen Waren: Dieser Punkt geht klar ans Euronat! Und der Punkt für die Poolanlage gehört erwartungsgemäß dem „La Jenny“.

Leider befinden sich im Euronat ein paar sehr ungepflegte Stellen. Dazu gehören völlig verlotterte Tennisplätze, welche nicht mehr in Betrieb sind, aber auch ein völlig verschlammter Tümpel zwischen der Schwimmhalle und dem Thalassozentrum. Ein klarer Minuspunkt fürs Euronat.

Unterkunft im Chalet

Beide Anlagen bieten Chalets für jeden Geschmack an. Die Unterkünfte im „La Jenny“ sind, gemessen an dem gebotenen Komfort, um Einiges teurer. So zahlt man für die Minimalunterkunft „Tourterelle“ im „La Jenny“ etwas mehr als für ein Chalet „Périgord A“ im Euronat, erhält dafür aber eine absolut spartanische Einrichtung. Wo man im Euronat einen echten Glaskeramik-Kochherd mit Backofen hat, kriegt man im „Tourterelle“ gerade mal ein Réchaud mit zwei kleinen Massekochplatten. Die Chalets im „La Jenny“ sind mehrheitlich im Besitz der Anlage, und jene im Euronat vorwiegend in Privatbesitz.

Animation, Personal und Sportangebot

Das Euronat wie das „La Jenny“ bieten Animation in unterschiedlicher Ausprägung an. Im Euronat gibt es tagsüber vielerlei kunsthandwerkliche Tätigkeiten, wie z.B. Zeichnen, Musizieren, Töpfern, etc., und abends gibt es ab und zu Musikdarbietungen in dem Geschäftszentrum.

Das „La Jenny“ legt den Schwerpunkt tagsüber mehr auf Sport (Golf, Tennis, Bogenschießen etc.) und jeden Abend werden Animationen am Pool angeboten. Alle zwei Wochen wird mit den Kindern, die in den entsprechenden Clubs organisiert sind, ein Musical zusammen mit dem Animationsteam choreographisch einstudiert. Und Freitag abends wird das Musical mit Playback-Musik am Pool aufgeführt.

Jeden Sonntag wird am Pool mittags das gesamte Animationsteam vorgestellt, wo sich die Neuankömmlinge anschließend bei den Animatoren für das gewünschte Programm einschreiben können. Der Punkt für die Animation gehört dem „La Jenny“.

Das Angebot an Sport ist auf beiden Anlagen reichhaltig. Neben Tennis, Bogenschießen etc. bietet das „La Jenny“ (kostenpflichtig) zusätzlich Golf mit 9 Löchern an. Beide Anlagen haben einen Bouleplatz, wobei das Euronat einen viel größeren und besser gelegenen Platz hat. Der Boule-Punkt geht ans Euronat!

Community

Mit dem „neudeutschen“ Wort Community bezeichne ich die Selbstorganisation der Besucher und Hausbesitzer. Die ist im Euronat äußerst aktiv und kreativ, beschäftigen sich doch gleich mehrere Webseiten mit dieser Urlaubsanlage. Es fällt auf, dass diese Seiten mehrheitlich von Deutschen betrieben wird, was kein Nachteil sein muss, ist doch die Mehrheit der Euronat-Kundschaft aus Deutschland. Auch der WLAN-Zugang in verschieden Dörfern (villages) wird durch einen in Euronat ansässigen Deutschen, Wolfgang Kemper, angeboten.

Es gibt eigens ein Forum für die Freunde des La Jenny, wo Tipps und Ratschläge ausgetauscht werden können.

Im Gegensatz dazu gibt es für das „La Jenny“ einen Verein „Les Amis de la Jenny“, aber deren Webseite ist für Nichtmitglieder nicht einsehbar. Somit geht der Community-Punkt klar ans Euronat!

Die Nacktheit

Zu diesem Thema eine Vorbemerkung. Es wurde schon viel darüber diskutiert, ob angezogene Menschen einen Nackten stören können. Auf diese Frage will ich nicht näher eingehen. Ich selbst störe mich nicht an den Menschen, die ihre Blöße bedeckt haben. Ich störe mich jedoch sehr an der kollektiven Haltung, die zu dieser Bedeckung führt. Kurz gesagt, ich befürchte, dass durch diese Haltung die Paradiese im Sinne Adolf Kochs zerstört werden und zu Plätzen der Beliebigkeit („clothing optional“) umfunktioniert werden.

Noch in keiner naturistischen Anlage sind mir soviele angezogene Menschen aufgefallen wie in Euronat. Es scheint sich ein Konsens zu etablieren, der es den Besuchern verbietet, sich nackt von Ort zu Ort zu bewegen. Selbst an dem heißesten Tag (34°C) sind die Leute mit Bikinis, Shorts etc. an den Bouleplatz, an den Strand etc. gepilgert, um sich dann am Zielort (vielleicht) doch noch zu entblößen. Nach getanem Boulespiel, in der Sonne liegen etc. geht das Spiel in umgekehrter Richtung von neuem los – man zieht sich wieder an.

Selbst die Jugendlichen haben ihren Euronat-Konsens entwickelt: Außer zum Sonnen ist Nacktheit absolut „uncool“. So sitzen sie denn abends auf den Stangen im Geschäftszentrum, in Schlabberhosen, Schlabbershirts, Bikini etc. gewandet und feixen die alten Kerle wie mich an, die die Nacktheit von Anreise bis Abfahrt genießen. Ich grüße natürlich freundlich zurück, und enttäusche die Erwartung der Jungen, welche mindestens meine Konsternation antizipieren…

Dagegen nimmt sich die Direktive des „La Jenny“ direkt harmlos aus: man möge sich auf dem Weg zum Strand „minimal bekleiden“. Dies deshalb, weil der Weg von der Anlage zum Strand über einen öffentlichen Weg führt. Ich brauche wohl nicht betonen, wie unsäglich ich diese Direktive finde…

Auf der positiven Seite beim „La Jenny“ ist zu bemerken, dass sämtliche Animateure und Animateurinnen nackt sind, ganz im Gegensatz zum Euronat, wo offenbar von ihnen Bekleidung erwartet wird.

Was die Akzeptanz der Nacktheit, und die Erhaltung eines Paradieses betrifft: Einen Pluspunkt fürs „La Jenny“, zwei Minuspunkte fürs Euronat.

Was bleibt?

Beide Anlagen haben ihre Meriten, beide Anlagen haben ihre Nachteile. Im Rückblick kann ich sagen, dass wir den jüngsten Urlaub im Euronat sehr genossen haben, und sicher wiederkommen werden. Aber, um die Worte meiner geliebten Gefährtin Irene zu zitieren: Das nächste Mal am Atlantik aber bitte wieder im „La Jenny“. Womit sie Recht haben könnte, auch mich zieht es im Moment eher wieder 100km weiter südlich…

Innehalten

Zwischendurch ist es gut, innezuhalten. Einen Ruhepunkt in der Hektik des Alltags zu finden. Ein Buch kann dabei helfen. Und wenn das Buch Anregungen gibt zum bewußten Dasein, umso besser.

Der Reiseführerautor und Eßkritiker Wolfgang Abel, zugleich Inhaber des Oase-Verlags, gibt mit seinem Buch Badische Küchenkunde mehrfach Anlaß zum Innehalten. Er beschreibt sehr schön den Weg zurück zum Ursprünglichen, Einfachen, aber mit einem durchaus elitären, kompromißlosen Anspruch an die Qualität der Grundnahrungsmittel. Wer in diesem Buch blättert, wird vielleicht die „Denke“ entdecken, die es mir angetan hat.

In bisher keinem mir bekannten Kochbuch wird die wichtigste Zutat von jedem Essen beschrieben: TLC (tender loving care). Egal, was mit TLC zubereitet wird, das Resultat ist Balsam für die Seele.

Ja, die Lektüre eines guten Buchs, das Verzehren einer kleinen, einfachen Mahlzeit, wo alles stimmt – all das gehört zu den kleinen Glücksmomenten, die ein Leben so unendlich wertvoll machen.

Zitat aus dem Buch, unter dem Titel „KLINISCH KOCHEN“:

Klinische Küche macht höchstens satt, aber nicht zufrieden.

Die klinisch saubere Edelstahlküche mit Dampfgarer und digitaler Temperaturanzeige ist das Gegenteil jener Mamaküchen, in der bleibende Geschmacksbilder entstehen. Auch die Menüs vieler Sterneköche sind in diesem Sinne klinisch. Ihre Teller mit apart nebeneinandergesetzten Komponenten wirken exakt, aber isoliert und so seltsam beziehungslos wie die Klientel:

Entwurzeltes Scheckkartenpublikum, das über Geld, Langeweile und Stoffwechselprobleme verfügt.

Fadheit, artifizielle Optik, die Ausrottung von Krusten und Fettschichten, die weltweite Verwendung von kalibrierten Filets und Luxusprodukten, das putzige Schnitz-Gemüse – alles weist in eine Richtung: Das Abschaffen iles Kochens als sinnlicher Vorgang zugunsten einer klar planbaren Dienstleistung. Zu recht hat PETER KUBELKA, Professor für Film und Kochen in Frankfurt, darauf verwiesen, daß ein großer Koch heute eher etwas mit einem General gemein hat. Er muß „logistisch talentiert sein, große Truppen bewegen können, den Nachschub planen”. Entsprechend kampfbetont wirken denn auch die Darbietungen dieser Männerküche, die nach Schlachtplan abläuft, in der Emotionales keinen Platz hat, es sei denn als Wutausbruch. Die persönliche Auswahl von Lebensmitteln, langwierige, gar riskante Zubereitung, alles Sinnliche wird als lästiger Störfaktor begriffen.

In Mamas Küche lernt man dagegen aromatisch hassen und lieben, man erfährt, wie schmal der Raum dazwischen sein kann und begreift, daß Vorlieben mit der Zeit gehen. Auch aus Ablehnung kann bekanntlich Freundschaft werden – wie im Falle von Leber, Spinat & Co. In einer klinischen Küche wirkt dagegen schon der Glöckchenschlag der Mikrowelle wie ein letzter emotionaler Rest. Zufriedenheit entsteht in solcher Umgebung nicht; das jojohafte Auf und Ab von Imponiermenü und Blitzdiät müßte eigentlich allen klinisch Kochenden Warnung genug sein.

Aber dann paßt doch alles zusammen: Die keimfreien »Turboküchen« von heute folgen der Logik von Geländewagen. Und mit dem fährt man ja auch nicht auf den Acker zum Kartoffeln rausmachen, sondern in den SB-Markt zum Kühltruhen leeren.

An anderem Ort hat Wolfgang Abel beschrieben, dass der Deutsche der Auswahl des Motorenöls für sein Auto mehr Aufmerksamkeit widmet als der Auswahl seinr Speiseöle. Ich fürchte, dass Herr Abel Recht behalten sollte…

Begegnungen

Im Internet wird viel berichtet von möglichen Begegungen. Manchmal frage ich mich, ob diese Begegnungen in der Phantasie derjenigen Menschen stattfinden, die von ihnen berichten. Möglicherweise hat der vernetzte Bildschirm die ähnliche Wirkung wie das Auto als Verkehrsmittel. Man kommt nicht in Kontakt zu den Menschen. Bei meinen Flugreisen bin ich immer wieder überrascht, wie vielen netten Menschen ich begegne. Dasselbe gilt natürlich für das Reisen mit der Bahn.

Aaaaber – ja, ein langes “aber” musste kommen. Es kommt sehr darauf an, wie man den Mitmenschen entgegentritt. Es gibt dazu eine schöne Geschichte aus alter Zeit™:

Vor den Hügeln einer großen Stadt saß ein alter Mann. Ein Fremdling näherte sich ihm und fragte „Sag an, was für Menschen leben in dieser Stadt?“

Der Alte ließ sich Zeit mit der Antwort, fragte den Fragesteller, wo er herkam, und schließlich, was für Menschen er denn dort kennengelernt habe. „Die Menschen dort sind unzuverlässig und heimtückisch, stets auf ihren Vorteil bedacht und unfreundlich, weswegen ich dort weggezogen bin.“

Der Alte sagte bedauernd „Nun, ich fürchte, Dich enttäuschen zu müssen. Du wirst die Leute hier nicht anders finden.“

Etwas später zog ein anderer Fremder vorbei und stellte dieselbe Frage. Auf dieselbe Gegenfrage meinte er „in meiner Stadt leben fröhliche Menschen, die gastfreundlich und hilfsbereit sind, Freunde in der Not und von Herzen gut.“

Der Alte sagte ihm „Du wirst Dich in dieser Stadt wohlfühlen. Du wirst die Leute hier nicht anders finden.“

(Verfasser unbekannt)

Es geht also darum, dem anderen offen, ohne Mißtrauen zu begegnen. Ob das noch möglich ist, wenn man sich voller Argwohn auf ein arrangiertes Treffen verabredet? Ja, das Internet als große Jekami-Veranstaltung bietet solche Treffen gegen bares Geld an: Flirtbörsen, Dating-Agenturen usw. Wohlgemerkt, dies hat nichts mit einer professionellem Partnervermittlung wie z.B.  Maria Klein zu tun. Hier handelt es sich in der Regel um Werbeagenturen, die mit irgendwelchen Software-Programmen, die die Fragebögen vergleichen,  das schnelle Geld machen möchten. Und, wie könnte es anders sein, dazu gibt es  bereits die Metaebene: Leute, die sich mit den Auswüchsen dieses Marktes auseinandersetzen. Schade, dass diese Auseinandersetzung so wortreich daherkommt, wie ich es gestern moniert habe.