„Mehr Zeit zum Leben“

26. Juni 2008

Heute ist mir ein höchst bedenkenswerter Beitrag im einem Forum begegnet. Es handelt sich um ein Forum von Kaffeefreunden, welche ihr Getränk vorzugsweise mit Hilfe von sogenannten „Siebträgern“ erzeugen. In einer Diskussion berichtete eine Forumsteilnehmerin, dass sie aus Zeitgründen vom Siebträger zum „Knopfdruck-Kaffee“ (Nespresso) umgestiegen ist. Was bei den eingefleischten Liebhaber/innen des Kaffees nicht unbedingt auf Zustimmung gestoßen ist. Eine der vielen Antworten lautet (auszugsweise):

„Bei dir ist es zumindest eine Entscheidung mit der Kenntnis, dass es besser geht. Dir ist die Arbeit für “das bisschen besseren Geschmack” zu nervend.

Bei mir ist es genau umgekehrt: Ich freue mich nach dem Aufstehen und nach Feierabend auf einen, oder mehrere Espressi/Cappuccinos. Als erstes wird frisches Wasser eingefüllt und die Maschine eingeschaltet. Die “Wartezeit” ist für mich keine Wartezeit im negativen Sinn (ich könnte ja auch eine Zeitschaltuhr einsetzen) sondern Zeit der Vorfreude.
Ich geniesse dann die Zeremonie der Zubereitung, angefangen vom Duft beim Mahlen des Kaffees entsteht, bis zu dem “Erlebnis” wenn der Espresso in die gerade unter den Siebträger gestellten warmen dickwandigen Tassen fliesst. Vom Genuss eines optimal zubereiteten Espresso oder Cappuccino brauche ich dir nicht vorzuschwärmen.

Leider wissen die meisten gar nicht was Ihnen entgeht. Das sieht man an den Regalen im Supermarkt. 2 Meter Nespresso, keine ganzen Bohnen, Fertigessen und Aufbackbrötchen so weit das Auge reicht. In vielen Bereichen kennen die meisten gar nicht mehr den möglichen Geschmack.“

Hier hat jemand aus meinem Herzen gesprochen. Besser kann man das nicht sagen. Überflüssig zu erwähnen, dass ich mich ebenfalls zu den Freunden des Siebträgers zähle. Es fängt schon mit der Auswahl der Kaffeebohnen an, mit dem Gespräch darüber beim Lieferanten. Einer dieser Lieferanten wurde schon einmal in diesem Blog erwähnt, Kaffee-Total. Das Ritual der Herstellung ist mindestens mit ebensoviel Freude verbunden wie der Genuß des Getränks.

Umso erschreckender ist für mich, mitanzusehen, wie im Laden die Regal-Laufmeter mit bunt eingepackten, fertig zubereiteten Lebensmitteln immer mehr werden. Auf Kosten von frischem Gemüse, von frischem Obst. Heute klagen die Gemüsebauern zurecht darüber, dass z.B. die beiden Schweizer Großverteiler Migros und Coop die Preise für die Ware diktieren. Es ist ein unerbittlicher Preiskampf unter den Großverteilern ausgebrochen. Er wird auf dem Rücken der Produzenten ausgetragen.

Vor ein paar Monaten hat ein Schweizer Lebensmittelhändler (Migros) eine Plakatkampagne gestartet, mit einem Bild von einem Mikrowellen-Futter - irgendetwas Asiatisches - und den Worten „Anna’s Best - Mehr Zeit zum Leben“. Jetzt frage ich mich: Was ist Leben? Gehört die Freude am Zubereiten eines Essens, von Grund auf, aus natürlichen Produkten, denn nicht zum Leben? Ist vielleicht Fernsehen ein wichtiger Teil des Lebens? Habe ich womöglich einen schweren Fehler begangen, als ich vor ein paar Monaten unseren letzten Fernsehapparat entsorgt, und das Abonnement dazu gekündigt habe?

Der Siegeszug von Ignoranz und Infotainment

1. März 2008

Dieser Tage ist mir ein Artikel der NZZ untergekommen, welcher ein Schlaglicht auf die Spaßkultur, die Ignoranz und das Infotainment der westlichen Welt wirft. Die Autorin, Andrea Köhler, macht sich Gedanken über eine Bewegung, die von den USA aus auf uns herüberschwappt:

Die Amerikaner werden immer dümmer – und damit sind sie nicht allein. Soeben ist in Deutschland ein Buch mit dem Titel «Generation Doof» erschienen, in dem das Phänomen der galoppierenden Ignoranz aufs Korn genommen wird. Die Generation der Zwanzig- bis Dreissigjährigen kann zwar an die zwanzig Klingeltöne fürs Handy, nicht aber Wagner von Beethoven unterscheiden. Falls sie überhaupt noch weiss, wer Wagner und Beethoven waren. Wieder einmal hat merika die Vorbildfunktion. Oder wie Mark Twain so schön sagte: When America sneezes, Europe catches the cold.

Ich bin mir nicht so sicher - falls diese Erscheinung jemals gestimmt hat - ob es heute noch ebenso ist. Vielleicht kommt die alte Welt in ihrer Verblödung sogar ohne die vielgeschähten USA aus. Wenn ich mir die Tendenzen in den elektronischen, aber auch in den Printmedien ansehe, fällt mir auf, dass allein in der kleinen Schweiz das Überangebot der belanglosen Nachrichten einen immer größeren Stellenwert hat. Es ist nicht mehr nur der “Blick”, inzwischen gibt es ein 20 Minuten, und namhafte Zeitungen haben mit der Boulevardisierung nachgezogen, siehe z.B. die ehemals ernstzunehmende Basler Zeitung.

Weiter in ihrem Artikel schreibt Andrea Köhler über die gesellschaftliche Ächtung der Melancholie. Was ich als “nachdenkliches Innehalten” bezeichne, sehen Andere vielleicht schon als Party-Stimmungstöter in unserer ach so lustigen und fröhlichen Welt, Nochmals Zitat aus Andrea Köhlers Artikel:

Interessanter ist da vielleicht ein anderer Aspekt: nämlich der merikanische Zwang zum Glücklichsein oder, mit dem Autor von Against Happiness» gesprochen: das Verbot der Melancholie. Eine Nation, die alles Grübeln mit Prozac austreibt, verliert nicht nur eine wichtige Quelle der Inspiration, sondern auch die Reflexionsfähigkeit. Die Gewohnheit, selbst milde Anfälle von Traurigkeit schon bei Kindern mit Medikamenten zu unterdrücken, leistet der grassierenden leichgültigkeit in sämtlichen Lebensbereichen Vorschub; wer nichts als Spass im Kopf hat, wird sich kaum um gravierendere Probleme als Paris Hiltons neueste Eskapaden scheren.

Nun ist es ja leider nicht so, dass die allgemeine Verdummung vor den rintmedien haltmachte. Die zunehmende Bereitschaft auch der eriösen Zeitungen, sich dem galoppierenden Schwachsinn aus Angst or einem vermeintlichen Verlust von Lesern (und Anzeigenkunden) eilfertig anzubiedern, ist womöglich besorgniserregender als die Exzesse der digitalen Demenz. Darüber hinaus sind die Grenzenz zwischen den unterschiedlichen Medien im Begriff sich aufzulösen. Auch der Kotau vor den Skandalisierungen der Entertainment-Industrie ist längst an den Orten der klassischen Kulturkritik selbst angekommen. Umgekehrt gewähren Fernsehen oder Internet zum Teil entlarvendere Einblicke in die geistige Verfassung unserer Repräsentanten oder Idole, als es jede gedruckte Analyse vermöchte.

Wir empfehlen hier einen Besuch auf You Tube, wo man unter dem Stichwort «Are You Smarter Than a 5th Grader?» das «American Idol» Kellie Pickler bei dem Versuch beobachten kann, die Geografie Europas («Hungry is a country?») auszuloten. Im Übrigen haben kulturpessimistische Klagen den Vorteil, dass sie so schnell nicht veralten. «Jetzt ist nur noch eine Art von Ernst in der modernen Seele übriggeblieben», notierte Friedrich Nietzsche in seinen «Unzeitgemässen Betrachtungen». «Er gilt den Nachrichten, welche die Zeitung oder der Telegraph bringt.» Die moderne Seele ist inzwischen hundertdreissig Jahre älter geworden.

Ich denke, hier ist nichts mehr hinzuzufügen. Anlass zu diesem Artikel von Frau Köhler waren mehrere amerikanische Neuerscheinungen, die sich diesem Phänomen widmen, so z.B.:

  • The Age of American Unreason by Susan Jacoby
  • Anti-Intellectualism in American Life by Richard Hofstadter

welche ich mir natürlich sofort bestellt habe.

Mit Liebe zur Sache

19. November 2007

Der libanesische Maler, Philosoph und Dichter Khalil Gibran (1883-1931) schrieb in seinem Werk “Der Prophet” ein Kapitel “Von der Arbeit”, das ich auszugsweise hier veröffentlichen möchte:

Ein Landmann sagte: Sprich uns von der Arbeit

Und der Prophet antwortet und sagte: Ihr arbeitet, um mit der Erde und der Seele der Erde Schritt zu halten.

Und alle Arbeit ist leer, wenn die Liebe fehlt; und wenn ihr mit Liebe arbeitet, bindet ihr euch an euch selber und an einander und an Gott. Und was heißt, mit Liebe arbeiten?

Es heißt, das Tuch mit Fäden weben, die aus euren Herzen gezogen sind, als solle euer Geliebter dieses Tuch tragen. Es heißt, ein Haus mit Zuneigung bauen, als solle eure Geliebte in dem Haus wohnen. Es heißt, den Samen mit Zärtlichkeit säen und die Ernte mit Freude einbringen, als solle euer Geliebter die Frucht essen. Es heißt, allen Dingen, die ihr macht, einen Hauch eures Geistes einflößen.

Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe.

Und wenn ihr nicht mit Liebe, sondern nur mit Widerwillen arbeiten könnt, lasst besser eure Arbeit und setzt euch ans Tor des Tempels und nehmt Almosen von denen, die mit Freude arbeiten.

Denn wenn ihr mit Gleichgültigkeit Brot backt, backt ihr ein bitteres Brot, das nicht einmal den halben Hunger des Menschen stillt. Und wenn ihr die Trauben mit Widerwillen keltert, träufelt eure Abneigung ein Gift in den Wein. Und auch wenn ihr wie Engel singt und das Singen nicht liebt, macht ihr die Ohren der Menschen taub für die Stimmen des Tages und die Stimmen der Nacht.

Diese Geschichte kam mir neulich in den Sinn, als ich über Begegnungen aus jüngerer Zeit nachgedacht habe. Es sind Begegnungen mit drei Geschäftsfrauen aus drei verschiedenen Ländern, die alle etwas gemeinsam haben: Sie üben ihren Beruf mit Liebe zur Sache aus. Es ist das persönliche Engagement in der alltäglichen Arbeit, das der Kunde spürt.

8-à-Huit, Lebensmittelgeschäft in F-68480 Oltingue

Nadine Fritschy, die zusammen mit ihrem Team den Laden führt, engagiert sich für lokal angebaute Lebensmittel. Jedes landwirtschaftliche Produkt, das der Bauer im Nachbardorf in ansprechender Qualität liefern kann, ist in Nadines Laden zu kaufen. Die Fleischwaren, die sie anbietet, sind von einem Metzger in der Nachbarschaft hergestellt. Alle übrigen Waren werden im Franchise-System durch den Carrefour-Konzern geliefert. Es ist zwar ein kleiner Laden auf dem Dorf - aber wenn ich etwas suche, das nicht im Laden ist, spreche ich mit Nadine - und, oh Wunder, womöglich ist das Gesuchte einige Tage später erhältlich!

Carolines Holzofenbrot, in CH-4253 Liesberg

Eine gelernte Bäckerin hat sich selbständig gemacht. Sie bäckt Brot und Kuchen in unerreichter Qualität - währenddem andere Leute schlafen - und bietet anschließend ihre Waren feil auf verschiedenen lokalen Wochen- und Monatsmärkten. Fast jedesmal, wenn ich sie an einem ihrer Standorte besuche, stellt sie fest, dass es noch so früh ist, und sie ihre Waren nahezu verkauft hat. Sie braucht keine Reklame mehr - das Brot und die Torten sprechen für sich! Seitdem ich Carolines Linzertorte kenne, backe ich selbst keine mehr, weil ich sie in dieser delikaten Form nicht zustande bekomme.

Kaffee-Total, Kaffee-Spezialgeschäft in D-78315 Radolfzell

Birgit Hotz, ihres Zeichens Barista-Trainerin und Kaffee-Spezialistin, betreibt zusammen mit ihrem Mann Thomas einen Laden für Kaffee und High-End-Espressomaschinen, also Produkte, die auf den Prosumenten zugeschnitten sind. Das Geschäft befindet sich ziemlich versteckt im Radolfzeller Ried am Bodensee. Trotzdem geben sich die Stammkunden die Klinke in die Hand, nicht zuletzt wegen dem einzigartigen Kaffee, den Birgit und Thomas jeweils Freitag nachmittags selbst rösten und mischen. Diese Kaffee-Hausmarke heißt “World’s End”, was aber mit der geographischen Lage des Geschäfts nichts zu tun hat, wie ich mir habe sagen lassen…

Die drei hier vorgestellten Geschäftsfrauen geben mir als Kunde nicht das Gefühl, dass ich nur wegen des zu erwartenden Umsatzes willkommen bin. Die menschliche Begegnung mit mir als Kunde, ihr fachlich engagierter Rat, ihr Einsatz für das hergestellte oder verkaufte Produkt - all dies bringt Khalil Gibrans These auf den Punkt:

Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe

Ein schönes Geschäftsmodell

25. September 2007

Da die Abzocke im Internet schon oft genug - zu Recht, wie ich meine - gebrandmarkt wird, ist es nun an der Zeit, auf ein positives Beispiel hinzuweisen, das in genialer Weise die technischen Möglichkeiten des Internet zum Vorteil aller Beteiligten nutzt.

Die Rede sei von Magnatune. Es ist ein Portal, das kostenlose Musik im Streaming-Verfahren anbietet. Wer Gefallen an den unzähligen Alben verschiedenster Genres findet, kann sie gegen ein kleines Entgelt herunterladen, sowohl im MP3-Format wie auch als WAV, um daraus eine eigene CD zu brennen. Das per Kreditkarte zu überweisende Entgelt wird vom Kunden bestimmt, es muss pro Album jedoch mindestens 5 US$ betragen. Und ein Käufer darf bis zu 3 Kopien von der Musik anfertigen, die er kostenlos weitergeben kann. Wer sich keine CD selbst brennen will, kann auch seine CD direkt bei Magnatune bestellen. Das Geschäftsmodell ist über die Creative Commons License definiert. Hier ist genaueres über das System nachzulesen.

Das kostenlose Streaming funktioniert entweder über den Flash-Player oder über eine herunterzuladende m3u-Datei für den Mediaplayer, wahlweise 128 kB oder 64kB. Der einzige Unterschied zu den heruntergeladenen CDs ist die Ansage zwischen jedem Titel.

Das eingenommene Geld kommt zu 50% den beteiligten Musikern und Musikerinnen zugute. Ein Blick, oder besser, ein Hineinhorchen in die Webseite zeigt, dass es sich durchwegs um hochkarätige KünstlerInnen handelt! Mir haben es speziell die Werke der Renaissance angetan, z.B. von Jeni Melia und Chris Goodwin oder auch Emma Kirkby, aber auch die Einspielungen des English Concert unter Trevor Pinnock sind einzigartig!

“We are not evil” lautet der Leitsatz von Magnatune. Wie wahr - ein Geschäftsmodell so schön wie OpenOffice.org!

Unfrieden - leider auch unter Naturisten

3. September 2007

Im heutigen NZZ-Folio ist unter der “Vereinsleben-Kolumne” ein Bericht über einen Konflikt unter Naturisten abgedruckt. Ein Ehrenmitglied des Naturisten-Vereins “die neue zeit” soll von dem Vereinsgelände vertrieben werden. Für das Ehrenmitglied, Horst Neumann, wehrt sich Kurt Haupt mit seiner eigens dafür eingerichteten Webseite.

Die Sicht des Vereins “die neue Zeit” wird in den Informationen des Stiftungsrats dargelegt.

Ich finde es ernüchternd, dass Konflikte unter Nackten unter den gleichen “Spielregeln” ausgetragen werden wie in der übrigen Welt. Die Vision der “neuen zeit” erweist sich als wenig tragfähig.

Innehalten

17. Juli 2007

Zwischendurch ist es gut, innezuhalten. Einen Ruhepunkt in der Hektik des Alltags zu finden. Ein Buch kann dabei helfen. Und wenn das Buch Anregungen gibt zum bewußten Dasein, umso besser.

Der Reiseführerautor und Eßkritiker Wolfgang Abel, zugleich Inhaber des Oase-Verlags, gibt mit seinem Buch Badische Küchenkunde mehrfach Anlaß zum Innehalten. Er beschreibt sehr schön den Weg zurück zum Ursprünglichen, Einfachen, aber mit einem durchaus elitären, kompromißlosen Anspruch an die Qualität der Grundnahrungsmittel. Wer in diesem Buch blättert, wird vielleicht die “Denke” entdecken, die es mir angetan hat.

In bisher keinem mir bekannten Kochbuch wird die wichtigste Zutat von jedem Essen beschrieben: TLC (tender loving care). Egal, was mit TLC zubereitet wird, das Resultat ist Balsam für die Seele.

Ja, die Lektüre eines guten Buchs, das Verzehren einer kleinen, einfachen Mahlzeit, wo alles stimmt - all das gehört zu den kleinen Glücksmomenten, die ein Leben so unendlich wertvoll machen.

Zitat aus dem Buch, unter dem Titel “KLINISCH KOCHEN”:

Klinische Küche macht höchstens satt, aber nicht zufrieden.

Die klinisch saubere Edelstahlküche mit Dampfgarer und digitaler Temperaturanzeige ist das Gegenteil jener Mamaküchen, in der bleibende Geschmacksbilder entstehen. Auch die Menüs vieler Sterneköche sind in diesem Sinne klinisch. Ihre Teller mit apart nebeneinandergesetzten Komponenten wirken exakt, aber isoliert und so seltsam beziehungslos wie die Klientel:

Entwurzeltes Scheckkartenpublikum, das über Geld, Langeweile und Stoffwechselprobleme verfügt.

Fadheit, artifizielle Optik, die Ausrottung von Krusten und Fettschichten, die weltweite Verwendung von kalibrierten Filets und Luxusprodukten, das putzige Schnitz-Gemüse - alles weist in eine Richtung: Das Abschaffen iles Kochens als sinnlicher Vorgang zugunsten einer klar planbaren Dienstleistung. Zu recht hat PETER KUBELKA, Professor für Film und Kochen in Frankfurt, darauf verwiesen, daß ein großer Koch heute eher etwas mit einem General gemein hat. Er muß „logistisch talentiert sein, große Truppen bewegen können, den Nachschub planen”. Entsprechend kampfbetont wirken denn auch die Darbietungen dieser Männerküche, die nach Schlachtplan abläuft, in der Emotionales keinen Platz hat, es sei denn als Wutausbruch. Die persönliche Auswahl von Lebensmitteln, langwierige, gar riskante Zubereitung, alles Sinnliche wird als lästiger Störfaktor begriffen.

In Mamas Küche lernt man dagegen aromatisch hassen und lieben, man erfährt, wie schmal der Raum dazwischen sein kann und begreift, daß Vorlieben mit der Zeit gehen. Auch aus Ablehnung kann bekanntlich Freundschaft werden - wie im Falle von Leber, Spinat & Co. In einer klinischen Küche wirkt dagegen schon der Glöckchenschlag der Mikrowelle wie ein letzter emotionaler Rest. Zufriedenheit entsteht in solcher Umgebung nicht; das jojohafte Auf und Ab von Imponiermenü und Blitzdiät müßte eigentlich allen klinisch Kochenden Warnung genug sein.

Aber dann paßt doch alles zusammen: Die keimfreien »Turboküchen« von heute folgen der Logik von Geländewagen. Und mit dem fährt man ja auch nicht auf den Acker zum Kartoffeln rausmachen, sondern in den SB-Markt zum Kühltruhen leeren.

An anderem Ort hat Wolfgang Abel beschrieben, dass der Deutsche der Auswahl des Motorenöls für sein Auto mehr Aufmerksamkeit widmet als der Auswahl seinr Speiseöle. Ich fürchte, dass Herr Abel Recht behalten sollte…

Begegnungen

9. Juli 2007

Im Internet wird viel berichtet von möglichen Begegungen. Manchmal frage ich mich, ob diese Begegnungen in der Phantasie derjenigen Menschen stattfinden, die von ihnen berichten. Möglicherweise hat der vernetzte Bildschirm die ähnliche Wirkung wie das Auto als Verkehrsmittel. Man kommt nicht in Kontakt zu den Menschen. Bei meinen Flugreisen bin ich immer wieder überrascht, wie vielen netten Menschen ich begegne. Dasselbe gilt natürlich für das Reisen mit der Bahn.

Aaaaber - ja, ein langes “aber” musste kommen. Es kommt sehr darauf an, wie man den Mitmenschen entgegentritt. Es gibt dazu eine schöne Geschichte aus alter Zeit™:

Vor den Hügeln einer großen Stadt saß ein alter Mann. Ein Fremdling näherte sich ihm und fragte „Sag an, was für Menschen leben in dieser Stadt?“

Der Alte ließ sich Zeit mit der Antwort, fragte den Fragesteller, wo er herkam, und schließlich, was für Menschen er denn dort kennengelernt habe. „Die Menschen dort sind unzuverlässig und heimtückisch, stets auf ihren Vorteil bedacht und unfreundlich, weswegen ich dort weggezogen bin.“

Der Alte sagte bedauernd „Nun, ich fürchte, Dich enttäuschen zu müssen. Du wirst die Leute hier nicht anders finden.“

Etwas später zog ein anderer Fremder vorbei und stellte dieselbe Frage. Auf dieselbe Gegenfrage meinte er „in meiner Stadt leben fröhliche Menschen, die gastfreundlich und hilfsbereit sind, Freunde in der Not und von Herzen gut.“

Der Alte sagte ihm „Du wirst Dich in dieser Stadt wohlfühlen. Du wirst die Leute hier nicht anders finden.“

(Verfasser unbekannt)

Es geht also darum, dem anderen offen, ohne Mißtrauen zu begegnen. Ob das noch möglich ist, wenn man sich voller Argwohn auf ein arrangiertes Treffen verabredet? Ja, das Internet als große Jekami-Veranstaltung bietet solche Treffen gegen bares Geld an: Flirtbörsen, Dating-Agenturen usw. Wohlgemerkt, dies hat nichts mit einer professionellem Partnervermittlung wie z.B.  Maria Klein zu tun. Hier handelt es sich in der Regel um Werbeagenturen, die mit irgendwelchen Software-Programmen, die die Fragebögen vergleichen,  das schnelle Geld machen möchten. Und, wie könnte es anders sein, dazu gibt es  bereits die Metaebene: Leute, die sich mit den Auswüchsen dieses Marktes auseinandersetzen. Schade, dass diese Auseinandersetzung so wortreich daherkommt, wie ich es gestern moniert habe.

Sich auf etwas einlassen

26. Juni 2007

Ab und zu passiert es: man trifft auf einen Menschen, oder auf einen Text im Internet, kurzum auf eine Meinung. Und man kann nur noch eins zu dem Gedanken sagen: genauso ist es!

Heute morgen ist es mir wieder mal passiert. Beim Abklappern der von mir bevorzugten blogs bin ich auf einen Beitrag von Vincent Klink gestoßen. Der Meisterkoch nimmt Bezug auf auf ein einfaches, delikates Gericht und macht sich Gedanken darüber, dass wir heutzutage vor lauter Suche nach der Vielfalt am kleinen Glück vorüberrennen. In seinen Worten klingt das so:

Viele Menschen sind tief verunsichert und so handeln und leben sie auch. Enge Bindungen werden nicht mehr riskiert, ein scheinbares Gefühl für Freiheit wird gepflegt indem man sich Hintertürchen offen hält, hier etwas mitnimmt und sich dort nur zu kleinen Teilen einlässt. Geduld, sich auf etwas einzulassen, so etwas wie Leidenschaft entwickeln, das funktioniert immer schlechter. Man rauscht durch den Alltag und hat den Kopf voll mit Halbheiten, mit Gedankenschnipseln und nennt sich dann trügerischerweise “informiert”.

Beim Fernsehen wird nur noch gezappt, weil man in der Angst lebt etwas anderes zu verpassen. In Magazinen und Zeitungen macht sich deshalb das “Prinzip Bildzeitung” breit. Riesige Überschriften und dann kommt nicht mehr viel.

Beim Essen ist es nicht anders. Deshalb sind Amuse-Bouche-Menüs in Mode gekommen, eine kleine Delikatesse reiht sich an die andere und Reagenzglasweise werden die Weine dazu serviert. Ist man dann Zuhause weiss man nicht mehr viel, ausser dass es schön war.

Für mich besteht der Schlüssel zum persönlichen Glücksempfinden darin, sich auf etwas einlassen zu können. Egal, was es ist: Mach das, was Du gerade tust, mit ganzem Herzen.

Verschleierung von E-Mail-Adressen

17. Juni 2007

Heute bin ich einem interessanten Artikel begegnet. Der Autor dieses blogs stellt fest, dass eine Verschleierung einer E-Mail-Adresse mehr dem Missbrauch dient als sie ihn verhindert. Eine übliche Verschleierung ist “name at firma dot com”. Eine einfache Google-Recherche auf den Suchbegriff “* at * dot com” erbringt mehr als 15 Millionen Resultate. Da Google die Suche auf “@” - was eine übliche E-Mail-Adresse kennzeichnen würde - verhindert, ist die Verschleierung ein echter Gewinn für die Spam-Verteiler.

Rechtschreibeprüfung

15. Juni 2007

Ich habe soeben einen neuen Zeitvertreib entdeckt: Gib’ einem Textverarbeitungsprogramm ein Wort zur Überprüfung, und freu’ Dich über die vorgeschlagenen Varianten, wenn es dieses Wort nicht kennt!

OpenOffice Writer kennt offenbar keine “Naturistenfamilien”. Interessant, was es als Ersatz dafür vorschlägt:

  • Aristokratenfamilien
  • Algorithmenfamilien
  • Bauernfamilien
  • Familienministern (sic! Was auch immer das sein soll…)

Jedenfalls hat die vorgeschlagene “Aristokratenfamilie” ein Forumsmitglied zu einem philosophischen Gedankenspiel angeregt, wie man hier lesen kann. Ob SUN Microsystems Inc. als federführender Teil der Entwicklung von OpenOffice sich der kreativen Wirkung bewußt ist?